Für Sie gelesen: „Agilstabile Organisationen“ und „Zukunftsblind“

Heute möchte ich meinen Lesern zwei Bücher empfehlen, die sich als Ergänzung und zur Vertiefung unseres Bestsellers „Die Orbit-Organisation“ sehr gut eignen. „Agilstabile Organisationen“ zeigt den „Weg zum dynamischen Unternehmen und verteilten Leadership“. Autor ist Richard Pichler, Unternehmensberater und Professor an der Fachhochschule des BFI Wien.

In „Zukunftsblind“ legt Benedikt Herles, ehemals Unternehmensberater und heute Startup-Investor, rechercheintensiv dar, weshalb wir aus seiner Sicht „die Kontrolle über den Fortschritt verlieren“. Sein früheres Buch „Die kaputte Elite„, das sich überaus kritisch mit dem Top-Management befasst, hatte ich ebenfalls schon hier im Blog rezensiert.

Wie man zu einer agilstabilen Organisation werden kann – und warum das wichtig ist

Das 310-Seiten-Buch zeigt fundiert, substanziell und gut recherchiert, weshalb es so überaus wichtig ist, in einer hochvolatilen, sich exponentiell weiterentwickelnden Business-Welt zu einer agilstabilen Organisation zu werden – und wie dies gelingt. Der Autor geht dabei in drei Schritten vor:

Zunächst erläutert er detailliert, nach welchen Managementprinzipien Unternehmen im Industriezeitalter aufgestellt waren und warum solche pyramidalen Formationen damals auch funktionierten. Dies erscheint mir überaus wichtig, um den Managern, die heute noch immer wie früher agieren, „weil es alle so machen“, die Augen zu öffnen. Denn auf alte Weise kommt man in neuen Zeiten nicht weit.

Im zweiten Teil zeigt er auf Basis von Interviews mit Pionierunternehmen vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie vollkommen anders dezentral organisierte Unternehmen bereits aufgestellt sind – und was sie zugleich erfolgreich und zukunftsfit macht. Hierbei hat er solche Vorgehensweisen ausgewählt, die auch in klassischen Unternehmen machbar wären.

Im dritten Teil geht es um die Umsetzungsmöglichkeiten. Kapitel 3 nennt dazu die Bausteine der agilstabilen Organisation. In Kapitel 4 geht es um neues Führungsverhalten, in Kapitel 5 um den notwendigen Mindshift und in Kapitel 6 um konkrete Praktiken in agilstabilen Organisation. Kapitel 7 zeigt schließlich den Weg zum Ziel. Alles in allem ein Buch, das sich zu lesen sehr lohnt.

Warum wir zukunftsblind sind und wie wir die Kontrolle über den Fortschritt verlieren

Noch ein Buch wie so viele aus den letzten Jahren, die das Thema Zukunft und deren Entwicklung beleuchten – das hab ich zunächst gedacht. Wenn solche Bücher erscheinen, ist das meiste davon schon nicht mehr neu – oder bereits hundertfach durchdiskutiert. Doch „Zukunftsblind“ ist ein wenig anders.

Zunächst zeichnet der Autor ein sehr düsteres Zukunftsbild: Die Möglichkeiten von Robotik, künstlicher Intelligenz und Gentechnik entwickeln sich wie auf Speed – doch wir sind blind für die Gefahren, die sich daraus ergeben können: Algorithmen und künstliche Superintelligenzen ergreifen die Macht, Sozialsysteme kollabieren, Oberschichten optimieren ihr Erbgut und Staaten liefern sich ein genetisches Wettrüsten. Während die gesellschaftliche Ungleichheit dramatisch zunimmt, ist die Demokratie längst am Ende. In Zukunft werden die Zurückgebliebenen von genmanipuliert verbesserten Menschen und intelligenten Maschinen beherrscht.

Ja, das Buch rüttelt auf, Herles zeigt aber auch: So düster muss es nicht kommen. Doch es ist richtig und gut, sich die schlechtesten aller Szenarien ungeschminkt vor Augen zu halten – ohne allerdings in Angst zu verfallen. Vielmehr gilt es zu handeln. Denn jetzt ist (vielleicht) gerade noch Zeit, da, wo nötig, gegenzusteuern. Herles appelliert an den Leser, an die Politik, an die Wirtschaft und vor allem an die junge Generation: Wir müssen für eine lebenswerte Zukunft kämpfen. Seinen 10-Punkte-Plan finde ich allerdings mager.

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