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Nachhaltigkeit und Klimaschutz kann nur im Interesse der Unternehmen sein

Die Zeiten von Wachstum auf Teufel komm raus und Maximalrenditen um jeden Preis sind vorbei, weil dies die Lebensgrundlage unseres Heimatplaneten bedroht. Es geht nicht länger darum, der Beste der Welt, sondern der Beste für die Welt zu sein. Zukunftsfähige Unternehmen entwickeln sich zu Organisationen, die – passend zu ihrem Geschäftszweck – nachweislich auch Verantwortung für das Gemeinwohl tragen.

Ökologische und soziale Aspekte, eine ethische Grundhaltung und ein sinnbehaftetes Tun sind fortan ein Muss für alle Player im Markt. Anbieter, die nicht nur die Probleme des täglichen Lebens lösen, sondern sich auch um die großen Themen der Menschheit kümmern, erzeugen Kundeninteresse, Arbeitgeberattraktivität, Finanzmittelzufluss und Medienrelevanz. Zudem wirkt eine nachhaltige Unternehmensausrichtung risikoreduzierend und macht Geschäftsmodelle stabiler.

Greenwashing, Lug und Trug: oft immer noch Usus

Umweltsünden schönreden, einlullen, manipulieren: Für manche Marktplayer immer noch völlig normal. Oft kleidet sich das Böse in ein harmloses, sittsames, beinahe hübsches Gewand. So ist das, was ein Agrochemieriese Pflanzenschutzmittel nennt, in Wahrheit Gift, das alles Leben zerstört – mit Ausnahme des im gleichen Haus produzierten genmanipulierten Saatguts. Damit werden, wo einst prächtiger Regenwald stand, riesige Monokulturfelder besät.

Die Ernte daraus, die angeblich den Hunger in der Welt stillen soll, wird tatsächlich in der Massentierhaltung verfüttert – für schlechtes Fleisch auf den Tellern der Wohlgenährten. Die nach wenigen Jahren ausgelaugten Flächen werden nicht, wie es wohlklingend heißt, renaturiert, sondern verkommen zu Wüsten, auf denen rein gar nichts mehr wächst. Im Schlepptau dessen haben indigene Völker ihre Heimat und Millionen von Kleinbauern ihre Existenzgrundlage verloren, wurden wertvolle Tiere und Pflanzen ausgerottet, sind abertausende Menschen erkrankt und gestorben, auch durch Freitod, weil sie nichts mehr zum Leben hatten.

Die Global Climate Coalition, eine Lobbyorganisation, die von internationalen Großunternehmen finanziert worden ist, hat jahrelang den Klimaschutz mit erheblichen Mitteln und großem Aufwand bekämpft, teils auch wissentlich mit dreisten Lügen. Den angeschlossenen Konzernen ging es darum, ihre Interessen und letztlich das Kapital zu schützen, das in ihre klimaschädlichen Technologien gebunden ist. Deren systematische Fehlinformationen hallen bis heute nach und geben Klimaskeptikern noch immer Nahrung.

Nachhaltigkeit & Co. brauchen Weitsicht und Strategie

Jedes Unternehmen soll und muss sich immer mehr Gedanken machen,

• wie sich der Klimawandel auf seine Arbeit auswirken wird,
• wie es nachweislich klimaneutral und nachhaltig werden kann,
• wie es sichtbar zu mehr Sozialverträglichkeit beitragen will.

Betriebsstörungen durch Wetterextreme, Materialknappheit, Lieferengpässe, Produktionsausfälle, all das wird zur Normalität. Womöglich bekommen wir schon bald die ersten klimatisch bedingten Lockdowns. Bereits heute ist jedenfalls klar: Unsere Werkhallen, Bürogebäude, Straßen, Eisenbahntrassen, Deiche, die Kanalisation, Energieversorgungseinrichtungen und der Katastrophenschutz sind für das, was da auf uns zukommt, nicht gemacht. Was könnt ihr hier vorausschauend in die Wege leiten?

Klimazerstörende Technologien werden fortan verboten. Subventionen gehen nur noch an die, die Ressourcen schonen – nicht mehr an die, die sie vernichten. Für Schäden, die sie der Umwelt und den Menschen zufügen, werden die Verursacher haftbar gemacht. Externalisierte Kosten werden den Unternehmen angelastet und bepreist.

Es ist ja doch wohl paradox: Was ökologisch sinnvoll ist, ist teuer. Was hingegen die Umwelt kaputt und uns krank macht, ist billig. Genau umgekehrt muss es sein. Das kann weit mehr Menschen auf der Welt ein besseres Leben ermöglichen, als sie es heute haben.

Und das wiederum kann nur im Interesse der Unternehmen sein. Handeln wir nicht, werden sich viele das Klima, das wir in Zukunft haben, nicht mehr leisten können. Konflikte und Fluchtbewegungen sind die Folge. Dies bedroht nicht nur einzelne Regionen der Welt, sondern die globale Sicherheit. Infolgedessen wird den Anbietern eine Menge Kaufkraft entgehen. Auf dem Weg in die Zukunft sind eine stabile Gesellschaft und sozialer Frieden die weit bessere Wahl.

Drei wesentliche strategische Handlungsfelder

Strategisch ergeben sich unter anderem diese Handlungsfelder:

>> Externalitäten eliminieren: Hat sich ein Unternehmen bislang auf Kosten des Gemeinwohls bereichert, die Natur maßgeblich zerstört, Menschen wissentlich ausgebeutet, Fördermittel missbraucht, Steuern hinterzogen etc., stoppt man das besser sofort. Die Transparenz ist inzwischen so groß, dass unethisches Verhalten einen teuer zu stehen kommt. Selbst Leichen, die vor Jahren verbuddelt wurden, kommen auf den Seziertisch der Öffentlichkeit. Und der Empörungswille ist bisweilen gewaltig. Übrigens haben auch Digitalkonzerne Handlungsbedarf. Sie betreiben Raubbau an den Daten der Menschen. Und sie haben neue Externalitäten erzeugt: Hasspostings, Fake News, Gewaltverherrlichung, Kinderpornografie, Hackerangriffe, Wahlbetrug, Cybermobbing, Cyberverbrechen. Das ist ihre Art von „Umweltverschmutzung“.

>> In Kreislaufwirtschaft investieren: Im Gegensatz zum geläufigen linearen Wirtschaftssystem (Rohstoffe abbauen, Produkte herstellen, distribuieren, konsumieren, dann entsorgen) werden in einer Circular Economy Produkte möglichst lange in einem Verwendungskreislauf gehalten. Sie werden aufgefrischt, repariert, recycelt, wiederaufbereitet. Dazu gehört auch Secondhand – weit über Kleidung hinaus. Zum Beispiel erwirbt Kuka alte Roboter von Kunden zurück und gibt sie generalüberholt weiter. Solches Vorgehen löst die Probleme der Rohstoffknappheit, es reduziert toxischen Elektroschrott, dezimiert Müllberge in aller Welt, wirkt der Plastikverseuchung der Meere entgegen, bremst die Ressourcenverschwendung und verringert klimaschädliche Emissionen. Im Kern geht es darum, nur noch Produkte herzustellen, die sich am Ende ihres Lebenszyklus komplett zerlegen lassen und deren Komponenten modular weiterverwertet werden können. Frage: Wie kann eine solche Kreislaufwirtschaft bei euch in Gang gesetzt, unterstützt oder ausgebaut werden?

>> Langlebigkeit favorisieren: Die Weckwerfmentalität geht ihrem Ende entgegen. Mieten statt kaufen, Teilen statt Besitzen und „Pay per Use“ sind neue Megatrends. „Ein eigenes Auto, wieso? Wenn ich eins brauche, hol ich mir’s von der Straße“, sagt der eine. Und eine andere (schon bald): „Hey car, sei um 17 Uhr wieder hier, und bis dahin geh Geld verdienen.“ Jenseits des Nötigen erwerben immer mehr Menschen Neues nicht mehr aus Statusgründen, sondern nur noch dann, wenn es unverzichtbar ist und/oder Hyperrelevanz für sie hat. Teilen stärkt die Gemeinschaft und baut Sozialkapital auf. Je mehr man Dinge miteinander verwendet, desto mehr erhöht sich der Wohlstand für alle. Doch Produkte, die geteilt werden sollen, müssen hochwertig, langlebig und reparierbar sein. Solche, die frühzeitig altern, rasch verschleißen oder kurz nach Ablauf der Garantie ihren Geist aufgeben (das nennt man geplante Obsoleszenz), fallen von nun an durch den Rost. Was schnell kaputtgeht, ist in einer Sharing-Gesellschaft nicht attraktiv. Und wenn etwas repariert werden muss, sollte das mit Ersatzteilen aus dem 3-D-Drucker zunehmend einfach möglich sein.

Löbliche Beispiele gibt es auch hierzulande genug

Das Familienunternehmen Herrenknecht, Weltmarktführer bei Tunnelvortriebsmaschinen, macht den Kunden das Angebot, die Bohrgiganten nach getaner Arbeit zurückzukaufen. Diese werden dann komplett auseinandergenommen, generalüberholt und in einen neuwertigen Zustand versetzt. Auf solche Remanufaktur-Produkte gibt das Unternehmen eine Garantie von 10.000 Arbeitsstunden. Das entspricht einem ununterbrochenen Einsatz von rund anderthalb Jahren. Dieses Vorgehen verbilligt nicht nur den Neukauf, sondern erspart dem vorherigen Kunden auch die teure Entsorgung. Zudem werden wertvolle Rohstoffe mehrere Male wiederverwendet. Die energetischen Einsparungen liegen bei einer komplett aufgearbeiteten Tunnelbohrmaschine bei 80 Prozent, die Materialeinsparungen bei bis zu 99 Prozent.

Die Rügenwalder Mühle, ein Familienunternehmen in siebter Generation, hat 180 Jahre lang nur Fleisch- und Wurstwaren hergestellt. 2012 begannen die ersten Überlegungen, dass in Zukunft immer mehr Veganer, Vegetarier, Flexitarier und Fleischesser an einem Tisch zusammen essen würden. 2014 nahm das Management, zunächst gegen erheblichen internen Widerstand, auch fleischlose Produkte ins ihr Sortiment auf. Bereits 2020 machte das Unternehmen erstmals mehr Umsatz mit dem schmackhaften Fleischersatz als mit seinen herkömmlichen Produkten. 2021 wurde die Marke von rund 4.000 Verbraucher:innen zur „Most Trusted Brand“ gewählt.

Ja, ein Unternehmen kann gar nicht früh genug beginnen, sich mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu befassen. Der Vertrieb wird bereits heute und in Zukunft noch viel mehr mit Fragestellungen rund um solche Themen konfrontiert. Kunden wollen zudem, dass ein Anbieter ihnen hilft, nachhaltiger zu arbeiten und zu leben. Bei der Entscheidungsfindung werden zwangsläufig fortan die Anbieter favorisiert, die hier die plausibelsten Lösungen bieten.

Ein Extra-Tipp: Macht alles, was ihr zum Thema Nachhaltigkeit anpackt, sichtbar, sowohl intern als auch extern. Dreht Videos, verfasst plausible Storys, zeigt nachvollziehbar, offen, ehrlich und heiter, was ihr für die Umwelt tut. So werden sich sensibilisierte Konsumenten und Top-Talente gezielt für eure Firma entscheiden.

(Dies ist ein Ausschnitt aus meinem neuen Buch “Bahn frei für Übermorgengestalter“.)

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