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Für Sie gelesen: „Der Medici-Effekt“ und „Dino trifft Einhorn“

In der digitalisierten Wirtschaftswelt lösen sich Branchengrenzen immer mehr auf. Der klassische Wettbewerb weicht dem Aufbau von onlineunterstützten Ökosystemen, um den Kunden ein umfassendes Leistungsangebot zu bieten. Statt Mono-Produkten werden nun multiple Servicepakete zusammengestellt und gemeinsam erbracht.

Ferner haben viele etablierte Firmen erkannt, dass sie zu bahnbrechenden Disruptionen kaum selbst in der Lage sind. Vor allem digitalbasierte Innovationen müssen nach draußen verlagert werden. Dabei werden passende Startups zu Business-Partnern, Transformationshelfern und Brückenbauern auf dem Weg in die Zukunft.

„Der Medici-Effekt“ von Frans Johannsson

„Der Medici-Effekt“ ist einer dieser wunderbaren Klassiker der Managementliteratur, deren wahre Bedeutung sich erst Jahre später zeigt. Bereits 2004 veröffentlicht, diente dieses Werk vielen jungen Entrepreneuren als Vorlage zur Entwicklung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle und innovativer Technologien.

Der schwedisch-amerikanische Harvard-Absolvent Frans Johansson legt in diesem Bestseller dar, warum bahnbrechende Ideen meistens genau dann entstehen, wenn man die Welt der Monokulturen verlässt und über Fachbereichs-, Silo- und Branchengrenzen hinweg in heterogener Zusammensetzung nach Lösungen sucht. Perspektivenreichtum, Vielfalt und eine gesunde Durchmischung begünstigen marktrelevante Innovationen.

Der Titel entstand in Anlehnung an einen bemerkenswerten Kreativitätsschub im Italien des 15. Jahrhunderts. Johanssons These: Prosperität entsteht, so wie zu Zeiten der Medici-Dynastie in Florenz, dort am ehesten, wo sich ein breitgestreutes Gedankengut miteinander verknüpft. Dazu braucht es Orte der Inspiration, Diversität im Denken und Handeln sowie ein Netzwerk unterschiedlichster Menschen, die einander befruchten.

Zudem braucht es kluge Gönner, die die Besten ihres Fachs aus Wissenschaft, Wirtschaft, Technologie, Kunst und Design um sich versammeln. Indem sie ihnen den notwendigen Freiraum für schöpferisches Handeln geben und die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellen, kann ein wahrer Innovationsboom gelingen.

Der Autor zeigt anhand einer Fülle von Beispielen auf, dass die Schnittstellen zwischen verschiedenen Industrien, Disziplinen, Kulturen und Technologien ein optimales Umfeld für bahnbrechende Innovationen erzeugen. Intersektionale Kreativität sorgt für unerwartete Neukombinationen und lässt attraktive Ökosysteme entstehen.

Heutzutage ergibt die Verknüpfung digitaler Disziplinen verbunden mit der exponentiellen Zunahme von Rechenleistungen mehr Möglichkeiten für Innovationen als jemals zuvor. Disruptiv kombinieren technologische Innovateure die virtuelle mit der realen Welt auf immer andere, kühne, wilde, noch nie dagewesene Weise.

Wenn sich aber alles miteinander vernetzt, können Unternehmen nicht mehr als autonome Einheiten operieren, sondern nur noch als Teil von Ökosystemen existieren. Immer wichtiger wird auch die Kompetenzvernetzung mit anderen Unternehmen. Zugleich sind die Kosten der zu verknüpfenden Technologien teilweise dermaßen hoch, dass man sie nur noch gemeinsam mit Ex-Konkurrenten stemmen kann.

Das interdisziplinäre Zusammenspiel lässt nicht nur eine höhere Wertschöpfung entstehen, es macht vieles für die Kunden auch attraktiver. So können zum Beispiel branchenübergreifende Mobilitätskonzepte, die Ökosysteme von Apple, Amazon und Co. oder auch die von Nespresso und Lego als Beweis für Johanssons These gelten.

„Dino trifft Einhorn“ von Bastian Halecker

Bastian Halecker, Professor für Entrepreneurship, und seine Startup-Touren hatten wir bereits in unserem Buch Fit für die Next Economy empfohlen, damit klassische Unternehmen, auch Corporates genannt, mehr Verständnis für die Arbeitsweise von Startups entwickeln und Zugang zu ihnen erhalten.

Auch in diesem Blogbeitrag und in Die Orbit Organisation hatte ich einiges dazu geschrieben. Seitdem hat sich die Zusammenarbeit mit Startups weiterentwickelt. Inzwischen ist sie zu einem der effizientesten Wege geworden, um die digitale Transformation in tradierten Branchen voranzutreiben – wenn man es richtig angeht.

Denn, so schreibt Halecker: „Corporates haben ein Geschwindigkeitsproblem.“ Zudem fehlt es ihnen meist am neuesten digitalen Knowhow. Insofern können Startups ihnen sowohl beim kulturellen Wandel hin zu einem agileren Spirit als auch zu mutigen Vorstößen beim Innovationsgeschehen sehr von Nutzen sein.

Startups wiederum profitieren von Corporates vor allem in Finanzierungsfragen, bei der Nutzung von Ressourcen, beim Branchen-Knowhow und beim Zugang zu Vertriebskanälen. Schließlich gewinnt das Startup auch an Reputation, wenn das Corporate, mit dem es sich zusammentut, einen klingenden Namen hat.

Auf 276 Seiten beschreibt der Autor 55 Dinge, die Unternehmen und Startups voneinander lernen können. Ziel ist es, ein Miteinander so zu gestalten, dass man gemeinsam erfolgreicher werden kann. Dabei geht es ihm vor allem um diese Aspekte:

  • die Basics über Startups
  • die Lage der Corporates
  • Missverständnisse und Vorbehalte
  • Möglichkeiten der Zusammenarbeit

Zugleich wirft das Buch einen Blick hinter die Kulissen der Startup-Welt mit ihren ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten, Vorgehensweisen und Herausforderungen.