Unternehmensführung: Über gute Gewinne und schlechte Gewinne

Schlechte Gewinne werden auf Kosten der Menschen, der Umwelt und des Gemeinwohls gemacht, gute Gewinne hingegen, indem man den Menschen nützlich ist und die Umwelt schützt. Die Frage ist nun: Wie lange können es sich Unternehmen noch leisten, schlechte Gewinne zu machen?

Denn zahlungsbereite Kunden, Toptalente und auch die Gesellschaft erwarten mehr und mehr, dass ein Unternehmen hehrere Ziele verfolgt als pure Marktführerschaft und Maximalrenditen.

Bereits 1994 hat der britische Autor und Unternehmer John Elkington den Begriff der „Triple Bottom Line“ geprägt, wonach ein Unternehmen neben der ökonomischen auch eine ökologische und eine soziale Bilanz vorlegen muss.

Diese Forderung ist aktueller als jemals zuvor. Den Unternehmen, die das nicht bieten, werden bald drei Dinge ausgehen: die Innovationen, die Leistungsträger und die Einnahmenbringer.

Ziemlich fatal: Die Auswirkungen veralteter Management-Mindsets

Hierarchiegeprägte Topdown-Organisationen schaffen ein Mindset, also eine Denk- und Handlungslogik, die genau das Verhalten hervorbringt, das zu diesem Mindset passt: Man erzieht sich lauter Mündel, die meinungslos auf Anweisungen warten. Mit anderen Worten: Man macht seine Mitarbeiter führungsbedürftig.

Vorgezeichnete Wege hemmen die Fantasie und zerstören damit die Möglichkeit, eigene, andere, bessere Wege zu einer Zielerreichung zu finden. Und das ist verheerend. Denn die Zukunft ist unklarer als jemals zuvor. Der Planungshorizont wird enger, die Vorhersagbarkeit geht gegen Null. Permanente Vorläufigkeit ist die neue Norm.

In allen Branchen wird es nun Pioniere geben, die die Digitalisierung für völlig neue, noch nie dagewesene Anwendungen nutzen. Wir wissen nicht, ob sie kommen oder wann sie kommen, doch wenn sie kommen, dann kommen sie schnell. „Dienst nach Vorschrift“ ist das letzte, was in diesem Fall hilft. Das Abarbeiten vorgedachter Verfahrensweisen lässt zudem Eigeninitiativen einfach verschwinden.

Doch Führungskräfte werden auch heute noch vor allem dafür bezahlt, dass die Mitarbeiter wie gewollt spuren. Das Einhalten vorgegebener Verfahrensweisen und Punktlandungen auf Planvorgaben werden sogar bonifiziert. Ganze Abteilungen sind dazu da, andere zu kontrollieren.

Kontrolle kann zwar Fehler verhindern, doch sie weckt kein Leben, erzeugt keinen Schwung, keine Kreativität, kein Engagement und schon gar keine Innovationen. So killen Kontrolle von Oben und das Machtwort der Chefs jegliche Kreativität. Die heute so dringend benötigten innovativen Ideen sind dann unerreichbar.

Nur den Anteilseignern verpflichtet, alles andere ist ziemlich egal

Als traditionelle Unternehmen entstanden, war die Komplexität niedrig. Insofern war Planung gut machbar. Entscheidungen „von Oben“ passten zum damaligen Zeitgeist. Topdown-Konstrukte waren eine logische Folge. Doch sie haben auch eine Menge Kollateralschäden erzeugt, sowohl was die Mitarbeiter und Kunden als auch, was die Umwelt betrifft.

Weil Effizienz vorrangig im Vordergrund stand, ist Kundenorientierung schnell auf der Strecke geblieben. Tunlichst soll sich der Konsument in die von den Anbietern vorgedachten Abläufe fügen, umständliche Formalien akzeptieren und im Takt ihrer altersschwachen Software ticken. Und in der Werbung wird man ständig belogen.

Manager-Wichtigkeit wurde in „Kontrollspanne“ gemessen. Schlechte Führung? Wurde wissentlich toleriert, solange die Ergebnisse stimmten. Despoten, Menschenschinder, autoritäre Walzen? Keine Seltenheit. Hinter vorgehaltener Hand wurde von „Chefs aus der Hölle“ gesprochen. Die alten Karrieresysteme haben unsoziales Verhalten sogar honoriert.

Ein ganzes Arsenal dirigistischer Managementmoden hielt unhinterfragt Einzug, „weil es alle so machen“. Man kannte es eben nicht anders. So wurden ganze Manager-Generationen sozialisiert: „Wir sind nur den Anteilseignern verpflichtet, alle anderen Anspruchshaltungen interessieren uns nicht.“ Dies ist das Statement eines CEO aus dem letzten Jahr.

Zu Shareholder-Value-Zeiten waren Ansichten wie diese völlig normal. Die brachiale Egomanie vieler Konzerne und ihrer Spitzenmanager hält leider bis heute an. Dies wird aufgrund einer einseitig auf Kapitalperformance ausgerichteten Unternehmensbewertung auch noch begünstigt. Profitmaximierung wird zum alles überstrahlenden Selbstzweck.

Das Erzeugen von Externalitäten: in vielen Organisationen gängige Praxis

Externalitäten sind unkompensierte Effekte, die auf Bereiche außerhalb des Unternehmens abgewälzt werden und dort erhebliche Schäden verursachen, ohne dafür Verantwortung zu tragen. Zum Beispiel werden Kosten für Umweltschäden nicht dem Unternehmen zugerechnet, sondern sind von der öffentlichen Hand zu tragen. Oder, einfacher gesagt: Die Gewinne werden privatisiert und kommen nur einigen wenigen zugute, die Schäden hingegen werden vergesellschaftet und in die Zukunft verlagert.

So wird Profit auf Kosten Dritter oder des Allgemeinwohls erzielt, oft auf dem Rücken der Ärmsten und Schwächsten. Denken wir nur an Kinderarbeit, moderne Sklaverei, erschütternde Produktionsbedingungen, das Plastikdesaster, den Pestizidwahnsinn, das Palmöldrama, die Elektroschrottberge, die Giftmülldeponien, die Massentierhaltung, das Artensterben, die Plünderung von Bodenschätzen, den ungebremsten Raubbau an der Natur, die Abermillionen von Toten durch Umweltsünden.

Margen, Preisdruck und Gier lassen Ethos, Anstand und Achtung der Menschenwürde manchmal völlig versanden. Und nein, ein bisschen Corporate-Social-Responsibility-Aktionismus wäscht einen ganz sicher nicht rein. Wer sich mit falschen Siegeln schmückt und undurchsichtige Zertifikate erwirbt, also modernen Ablasshandel betreibt, wird sehr schnell durchschaut.

Die großen Digitalkonzerne machen es auch nicht viel besser: Sie betreiben Raubbau an den Daten der Menschen. Und sie haben neue Externalitäten erzeugt: Hasspostings, Fake News, Gewaltverherrlichung, Kinderpornografie, Datenklau, Börsenmanipulationen, Wahlbetrug, Cybermobbing, Cyberverbrechen. Das ist die „Umweltverschmutzung“ der Technologie-Giganten.

Und wieder versuchen die, die dafür den Nährboden legen, sich davonzuschleichen, ohne Verantwortung zu übernehmen. Egal, ob analog oder digital: Wer der Welt Externalitäten eingebrockt hat, der muss auch Mechanismen schaffen, um das wieder wegzubekommen. Der Schutz von Gesellschaft und Umwelt ist wichtiger als Profitmaximierung, damit unser Planet lebenswert bleibt.

Erdüberlastung: Jeder von uns ist verantwortlich, etwas dagegen zu tun

Der Erdüberlastungstag beschreibt den Tag, an dem die nachhaltig nutzbaren Ressourcen eines Jahres verbraucht sind. Er wird jedes Jahr vom Global Footprint Network errechnet und verdeutlicht die ökologischen Grenzen des Planeten. Der weltweite Erdüberlastungstag 2019 war am 29. Juli, der deutsche am 3. Mai.

Wäre der Ressourcenverbrauch der Weltbevölkerung so groß wie in Deutschland, dann hätte sie bis zu diesem Zeitpunkt die regenerierbaren Ressourcen verbraucht, die ihr für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen. Heißt: Die Menschen hierzulande leben in diesem Jahr seit dem 3. Mai auf Kosten kommender Generationen,

Wir verbrauchen die Ressourcen unserer Kinder und Enkel – und die der Menschen im globalen Süden, die deutlich weniger benötigen, aber stärker von den ökologischen Folgen betroffen sind. Deutschland „verbraucht“ drei Erden, die USA fünf Erden, die ganze Welt zusammen 1,7 Erden – in jedem Jahr.

Statt aber nun auf andere zu zeigen und/oder tatenlos abzuwarten, bis die Politik reagiert, kann jeder von sich aus etwas ändern und Verantwortung mitübernehmen. Als Mitarbeiter kann man bestimmen, wen man wie mit seiner Arbeit voranbringt. Als Investor kann man festlegen, wer sein Geld wofür erhält. Als Kunde kann man beschließen, wen man unterstützt – und wen nicht.

Als Bürger kann jeder hierzulande seine Meinung lautstark bekunden und Protestbewegungen starten. Die kollektive Macht engagierter Menschen kann, wie aktuelle Beispiele zeigen, mithilfe des Web eine breite Öffentlichkeit mobilisieren. Und jeder profilierte Influencer, der seine Stimme erhebt, kann die Dinge zum Besseren wenden. Den wichtigsten Part aber spielen die Unternehmen und ihre Manager.

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