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Unternehmensführung Organisationsentwicklung

Die Budgetierungsphase: Same procedure as every year?

Echt jetzt? Gerade erst haben die Unternehmen schmerzlich erfahren, wie ein unvorhersehbares Ereignis die komplette mühsam erstellte Jahresplanung über den Haufen werfen kann. Doch so, als ob nichts gewesen wäre, beginnen viele von ihnen gerade mit den tradierten Zielfindungs- und Jahresplanungsprozessen für 2021.

Wochenlang wird nun die halbe Firma in Lähmung verfallen. Für das Tagesgeschäft ist kaum noch Zeit. In langatmigen Planungsrunden werden stattdessen die Zielvorgaben für das Folgejahr festgelegt und penibel auf Quartale, Monate, Bereiche, Teams und Einzelpersonen heruntergebrochen.

Auf solche Ratespiele, Wetten auf die Zukunft genannt und von hehrem Wunschdenken geleitet, wird dann eine Punktlandung gefordert – ein Unfug, der irre viel kostet, Geld in falsche Kanäle lenkt, neue Ideen unterdrückt, die Wahrheit verdreht, enorm viel Zeit verschlingt und in heutigen Zeiten völlig untauglich ist.

Ein starrer Plan ist der Versuch, die Zukunft zu disziplinieren

Wider besseren Wissens setzt man die Berechenbarkeit der Zukunft als selbstverständlich voraus. Leider ist es genauso unmöglich wie vergeblich, das Unvorhersehbare kontrollieren zu wollen. Die Zukunft folgt keinem Plan. Nach den ersten Wochen eines neuen Geschäftsjahrs ist das bereits zu erkennen.

Doch statt die Pläne zu ändern, damit sie zur neuen Situation passen, was macht ein braver Manager da? Er folgt nicht der Wirklichkeit, sondern den Zahlen im Plan. Sie wurden ja schließlich vereinbart! „Bürokratische Zielverschiebung“ nennt man dieses Phänomen. Der Plan wird zum Ziel, was ein strukturgewordener Denkfehler ist.

Was nun passiert? Man sucht nach Kniffen, um Volltreffer auf die Zielzahlen hinzubekommen. Das Zuwenig wird künstlich aufgefüllt. Das Zuviel wird sinnlos verprasst. Getürkte Berichte werden erstellt, Zahlen werden zurechtgebogen, genehme Studien in Auftrag gegeben, opportune Berater zum Testieren an Bord geholt.

Was eine „bürokratische Zielverschiebung“ so alles bewirkt

Wenn Punktlandungen auf Vorgaben gefordert sind, dann werden eben Punktlandungen auf Vorgaben geliefert. So wird alles schöngerechnet und passend frisiert. In Auftrags- und Projektübersichten werden Zahlen manipuliert, damit die damit verbundenen Statusampeln auf grün springen. Denn bei grün gibt’s Goodies, bei rot hingegen gibt’s Ärger.

Vielversprechende Zukunftsprojekte werden allein deshalb gestrichen, weil sie die Quartalszahlen trüben. Lug und Trug ist in solchen Systemen vorprogrammiert. Egoismus ist eine unausbleibliche Folge. Selbst das Überschreiten moralischer Grenzen wird toleriert, „damit die Zahlen stimmen“. Und alle im Unternehmen schauen „denen da oben“ dabei zu – und mauscheln dann auch.

Schließlich macht sich in den Köpfen der Leute das „Cheater‘s High“ breit. Es ist das schäbige Hochgefühl, „beschissen“ zu haben und damit durchgekommen zu sein. Wer beim Rumtricksen mitspielt, der profitiert. Wer das nicht macht, ist der Dumme. Doch niemand will als Versager gelten, der es nicht bringt. Also machen alle mit.

Man folgt nicht der Wirklichkeit, sondern dem Plan

Penible Kontrollen, eine aufgeblähte Zielerreichungsbürokratie und zeitraubende Statusberichte sollen dann im Jahresverlauf dafür sorgen, dass das Plankonstrukt funktioniert. Alle sind nur noch von einem besessen: ihre Zielvorgaben zu schaffen. Denn die Boni gibt’s auf die Planzielerreichung – und nicht auf die Wirklichkeit.

Das gesamte Prozedere fixiert Unternehmen in einer untauglichen Rückschau, behindert die eigentliche Arbeit erheblich – und trägt rein gar nichts zur Wertschöpfung bei. Zudem hält es die Unternehmen davon ab, sich rechtzeitig zu erneuern. Die größten Chancen liegen ja meist jenseits des Plans. Doch für die ist – leider – nichts budgetiert.

„Warum macht ihr das so?“, frage ich. „Das haben wir jedes Jahr so gemacht“, heißt es zur Antwort. Oder: „Das machen doch alle so.“ Oder: „Das haben wir an der Uni so gelernt.“ „Habt ihr schon mal gerechnet, was euch das kostet?“ Nein, haben sie nicht. Herrje! Viele Management-Tools sind wirklich zum reinen Selbstzweck verkommen.

Alles nach Plan? In neuen Zeiten höchst gefährlich

Planungsprofis waren im Industriezeitalter wichtig und gut, damit die Schlote rauchten. In unserer wissensbasierten Hochgeschwindigkeitszukunft hingegen braucht es Originalität, Improvisationstalent und Lust auf Experimente, sozusagen rauchende Köpfe. Klar sind Pläne auch heute eine sinnvolle Sache, aber nur dann, wenn man auch von ihnen abweichen darf.

In unserer neuen Businesswelt ist permanente Vorläufigkeit die neue Normalität. Unerwartete Ereignisse lauern an jeder Ecke. Wir wissen nicht, ob oder wann sie kommen, doch wenn, dann kommen sie schnell. Nur die wendigen, flinken, pfiffigen, jederzeit anpassungsfähigen Marktplayer werden das überleben.

In diesem Kontext sind Jahresplanungen unbrauchbar. Während auf klassische Weise noch geplant und das Geplante dann wie geplant umgesetzt wird, ändert sich die Welt rundherum bereits völlig. Krisen und Disruptionen werden mehr und mehr Usus. Das Verfolgen von strikten Planvorgaben und „Dienst nach Vorschrift“ sind das letzte, was in diesem Fall hilft.

OKR (Objectives & Key Results): Ein Ausweg aus diesem Dilemma

Sind Ziele und Pläne rein effizienzgetrieben, von oben verordnet und nur pro forma mit den Mitarbeitern abgestimmt, dann fehlt zudem die innere Anteilnahme, das Herzblut, der Feuereifer, die Leidenschaft für eine Sache. Im Abarbeitungsmodus wird das, was zu tun ist, „at target, on budget, in time“ erledigt, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Wer bei Evaluierungen punktet und bonifizierte Anerkennung dafür erhält, dass er vorgezeichneten Verfahrensweisen akribisch folgt, wird sich niemals an Neues wagen. So sind Einzelziele, totale Kontrolle, ein Planungskorsett und der damit einhergehende Kennzahlenkult eine geradezu toxische Umgebung für notwendige Innovationen.

Gibt es denn Alternativen? Ja, die gibt es längst. Das ganze Drumherum eines traditionellen Planungs- und Zielvereinbarungsprozesses kann mithilfe von OKRs in wenigen Stunden erledigt werden. Zudem kann die damit einhergehende Zeit- und Kostenersparnis dazu genutzt werden, echten Wert für das Unternehmen zu schaffen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie OKRs funktionieren.

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