Touchpoints zwischen Bewerber und Arbeitgeber (Teil 4): Recruiting-Kreativität ist heute ein Muss

Buch-BuckmannLangsam müssen sich die Personaler wirklich was einfallen lassen. Stellenanzeigen, die noch genauso aussehen wie vor fünfzig Jahren, der Einheitsbrei vergleichbarer Texte, das floskelhafte Geschwafel und die Bilderdatenbank-Menschen in den HR-Broschüren locken bald niemanden mehr.

Arbeitgeber befinden sich heutzutage in einem Attraktivitätswettbewerb. Vakanzen müssen kunstfertig verkauft und Kandidaten wie Kunden angesprochen werden. Parallel dazu müssen althergebrachte Abläufe infrage gestellt und interne Prozesse überarbeitet werden, damit die Bewerber sich auch tatsächlich umworben fühlen.

Und bitte keine Berührungsängste! Von den Kollegen aus Sales & Marketing kann man dazu eine Menge lernen. Viele gute Ansätze zum Thema Recruiting finden sich auch in einem Herausgeber-Buch von Jörg Buckmann: Personalgewinnung mit Frechmut und Können – Frische Ideen für Personalmarketing und Employer Branding.

Personalmarketing mit Frechmut und Können

„Wer im Vertrieb die geforderten Zahlen nicht bringt, ist seinen Job schnell wieder los. Wenn aber bei den Personalern die Bewerberausbeute nicht stimmt, dann sind alle anderen schuld: der Arbeitsmarkt, die Demografie, der Standort, das Image“, sagt Jörg Buckmann, Leiter Personalmanagement bei den Züricher Verkehrsbetrieben (VBZ).

Auch Buckmann hat manchmal Not, genügend Mitarbeitende zu finden. Deshalb hat er mit Frechmut eine Reihe von kreativen Kampagnen gemacht. Zum Beispiel werden offene Stellen bei den VBZ so herum ausgeschrieben: „Markus Amrein, Leiter Projektmanagement, bewirbt sich bei Ihnen als Ihr neuer Chef.“ Oder so: „Hansjörg Feurer, Leiter Betrieb Bus, bewirbt sich als Ihr neuer Chef.“

Auf diese Weise haben sich inzwischen schon annähernd hundert Führungskräfte persönlich mit einem Jobvideo bei zukünftigen Mitarbeitern vorgestellt. Das überrascht, wirkt authentisch und ermöglicht einen Rundumblick auf den jeweiligen Arbeitsplatz. Wem das Gezeigte nicht passt, der bewirbt sich erst gar nicht. Und niemand kauft die Katze im Sack.

Trambahnfahrerinnen fand Jörg Buckmann mithilfe von Plakaten so: „Die Verkehrsbetriebe Zürich suchen flinke Kellnerinnen und aufgeweckte Bäckerinnen für unsere Tramcockpits.“ Der Frauenanteil verdoppelte sich daraufhin von 19 auf 40 Prozent. Die Fahrgäste schätzen die Dienstleistungsorientierung solcher Quereinsteigerinnen sehr. Die Kosten waren alles in allem niedriger als bei klassischen Stellenanzeigen. Und die Medien berichteten darüber ausführlich.

E-Recruiting spielt eine zunehmend vorherrschende Rolle

Insgesamt spielt für Personaler das E-Recruiting, also all das, was online passiert, eine zunehmend wichtige Rolle. Viele Unternehmen gehen inzwischen dazu über, dieses proaktiv zu betreiben. Einerseits sammeln sie Daten von Interessenten, die ihre Karriereseiten und Social Media Präsenzen besuchen, andererseits checken sie die Profile interessanter Personen im Web, um diese bei einer Passung direkt anzusprechen.

Recherche statt Ausschreibung heißt diese Methode, die man auch „Active Sourcing“ nennt. Anstatt nur „wie ein Bibliothekar zu recherchieren, geht es künftig darum, zu Kandidaten eine Beziehung zu kultivieren – vergleichbar mit dem Vorgehen von Vertriebsmitarbeitern mit ihren Kunden“, rät Brad Warga von Data-Based-Recruiting-Anbieter Gild.

Auch die (frisierte) Bewerbermappe spielt oft nur noch eine untergeordnete Rolle. Vorrangig zählt, was man durch googeln erfährt. Große Personalberatungen beschäftigen inzwischen ganze Abteilungen damit, die Online-Reputation von Menschen zu checken. Denn wie bei einem Puzzle zeigt sich über die digitale Inszenierung das wahre Aspiranten-Gesicht.

Jenes nämlich, das man weit weg von aller Bewerbungsprosa und fernab verfloskelter Arbeitszeugnisse sehr bald auch bei der täglichen Arbeit zu sehen bekommt. So sinken für manche Kandidaten die Chancen allein schon deshalb auf null, weil den Personalern deren schlecht gepflegte Online-Persona nicht passt. Man kann also jedem nur raten, sich im Web von seiner Schokoladenseite zu zeigen.

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