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Zwei interessante Thesen: „Machste dreckig. Machste sauber.“ und „Im Grunde gut.“

Die Zeitenwende ist da. Zukunftsfähige Unternehmen entwickeln sich zu vernetzten Organisationen, die nachweislich auch Verantwortung für das Gemeinwohl tragen. Ein glaubwürdiges soziales Engagement und ein ernsthaftes Hinterfragen, wie wir mehr Nachhaltigkeit in die Welt bringen können, wird zum Megatrend Nummer eins.

Denn wenn wir unseren Planeten nicht für die Menschheit retten, ist alles andere eh egal. Die gute Nachricht dabei: Wir sind nicht machtlos, ganz im Gegenteil. Wir können das Blatt noch wenden, wenn wir daraus eine Anstrengung machen, die die Menschheit eint. Insofern stehen beide Bücher in einem engen Zusammenhang.

Im Grunde gut – von Historiker Rutger Bregman

Eine Krise jagt die nächste, die Stimmung verdunkelt sich, von Zukunftsangst ist immer öfter die Rede. Da kommt dieses Buch gerade recht. Der niederländische Historiker Rutger Bregman, Jahrgang 1988, setzt sich darin mit dem Wesen des Menschen auseinander. Anders, als in der westlichen Denktradition angenommen, sei der Mensch nicht von Grund auf böse, sondern im Grunde gut.

Dies verdeutlicht er anhand einer Vielzahl von Geschichten, deren historische bzw. in den Medien aufbereitete Darstellung er dezidiert durchleuchtet und in einem neuen Licht zeigt. Gleich zu Beginn präsentiert er folgendes Szenario: Ein Flugzeug muss notlanden und bricht in drei Teile. Die Kabine füllt sich mit Rauch. Allen Insassen ist klar: Wie müssen hier raus. Was passiert?

  • Auf Planet A fragen die Insassen einander, ob es ihnen gutgehe. Personen, die Hilfe benötigen, bekommen den Vortritt. Einige Menschen sind bereit, ihr Leben zu opfern, sogar für Fremde.
  • Auf Planet B kämpft jeder für sich allein. Totale Panik bricht aus. Es wird getreten und geschubst Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen werden niedergetrampelt.

Dann die Frage: Auf welchem Planeten leben wir? Lassen Sie sich überraschen.

Das Gute, etwa in Form von Altruismus, Großherzigkeit und Mitgefühl, kommt statistisch betrachtet, sehr, sehr häufig vor. Doch unser Blick auf das Böse ist stärker. Denn Angst- und Schmerzinformationen haben im Hirn immer Vorfahrt. Was daraus entsteht, ist der sogenannte „negativ bias“, die negative Verzerrung. Deshalb richtet sich unsere Aufmerksamkeit so sehr auf das Negative.

Von diesem Phänomen leben die Medien – und vor allem die Clickbait-Nachrichten im Web – überaus gut. „Only bad news are good news“, heißt es dazu. Die schlechte Nachricht verursacht – solange sie uns nicht selbst betrifft – den gleichen Nervenkitzel, den auch Schaulustige verspüren: Wir waren nahe dran, aber es ist uns nichts passiert. Wir sind noch mal davongekommen.

Doch Fakt ist auch: Gutes tun macht uns glücklich. ‚Helper‘s high‘ wird dieser Zustand genannt. So haben US-Wissenschaftler festgestellt, dass freiwilliges Spenden für einen guten Zweck die gleichen Hirnareale mobilisiert, die auch dann aktiv sind, wenn wir einen Zuwachs beim eigenen Vermögen erwarten. Klar muss man immer auch damit rechnen, dass man hin und wieder belogen und betrogen wird. Doch das ist ein kleiner Preis für all das Gute, das man in einem Klima des Vertrauens erlebt.

Nicht Argwohn und Egoismus ermöglichten den Fortschritt der Menschheit, sondern Vertrauen und Kooperation. Geht man von dieser Prämisse aus, ist es möglich, die Welt neu und grundoptimistisch zu denken. So präsentiert Bregmann in seinem mitreißend geschriebenen Buch vielfache Ideen für die Verbesserung der Welt und zeigt, dass eine menschliche, gerechte und ökologisch geprägte Welt möglich ist.

Machste dreckig. Machste sauber. Die Klimalösung

Die beiden Wirtschafswissenschaftsstudenten David Nelles und Christian Serrer haben in ihrem Bestseller mit der Unterstützung von über 250 Wissenschaftlern eine umfangreiche Sammlung von Maßnahmen und Möglichkeiten zur Lösung des Klimaproblems zusammengestellt. Ihr Ziel: Sie wollen so viele Menschen wie möglich erreichen, denn den Klimawandel können wir nur aufhalten, wenn jeder mit anpackt.

Die Texte sind angenehm kurz und sehr fundiert. Die Grafiken sind anschaulich und überaus aussagefähig. Hier ein Beispiel:

aus: Machste dreckig. Machste sauber von David Nelles und Christian Serrer

Wer sich einen pragmatischen Überblick verschaffen will, liegt mit diesem Buch goldrichtig. Auf 120 Doppelseiten mit einer Fülle von Zahlen, Daten und Fakten geht es um folgende Themen: Klimawandel, Energie, Gebäude, Verkehr Landwirtschaft, Industrie, Co2-Entfernung. Das Buch schließt mit Empfehlungen für die Politik und die Wirtschaft sowie mit einfach umzusetzenden Tipps, die jeder Einzelne umsetzen kann, um Teil der Lösung zu werden. Hier ein weiteres Beispiele dazu:

aus: Machste dreckig. Machste sauber von David Nelles und Christian Serrer

 

Auf andere zu zeigen oder tatenlos abzuwarten, bis die sich bewegen, das bringt rein gar nichts. Probier es im nächsten Meeting einmal aus: Wenn alle auf den Nächsten zeigen, damit der/die was verändert, was passiert? Nada, niente, nichts. Es sind nicht „der Staat“, „die Gesellschaft“, „die Politik“ oder „die Wirtschaft“, die Wandel bewirken. Am Ende der Entscheidungskette steht immer ein Mensch.

Als Unternehmer:in hast du die Wahl, ob du Mensch und Umwelt schändest oder schützt. Als Mitarbeiter:in kannst du bestimmen, wen du wie mit deiner Arbeit voranbringst. Als Investor:in legst du fest, wer dein Geld wofür erhält. Als Kunde kannst du beschließen, wen du unterstützt – und wen nicht. Die kollektive Macht engagierter Menschen kann mithilfe des Web eine breite Öffentlichkeit mobilisieren.

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