5-Punkte-Programm: Wie etablierte Unternehmen von der jungen Generation lernen


In den vorhergehenden Blogbeiträgen habe ich darüber geschrieben, wie sich der unternehmenskulturelle Transformationsprozess innerhalb eines Unternehmens vorantreiben lässt. Nun geht es darum, wie Unternehmen der Old Economy von der jungen Generation lernen können – wenn sie denn lernen wollen.

Miteinander-Initiativen: Alt und erfahren trifft auf jung, hungrig und wild

Die Digitalisierung dreht sich inzwischen derartig schnell, dass viele Anbieter ihr mit eigenen Bordmitteln nicht mehr Herr werden können. Trotz digitalem Wettrüsten sind traditionelle Unternehmen meist viel zu langsam. Jungunternehmen und ihre Impulse sind deshalb geradezu unentbehrlich. Sie können Keimzellen für eine Digitalisierung der Geschäftsmodelle und Katalysatoren für den Wandel der Unternehmenskultur sein.

Wenn man es richtig angeht, kann aus Miteinander-Initiativen zwischen „jung“ und „alt“ also eine Menge gutes entstehen. Zwei Aspekte sind dabei zu beachten:

  • Zum einen geht es um gemeinsamen Austausch, wodurch die alte Wirtschaft besser verstehen lernt, wie die junge Wirtschaft tickt – und umgekehrt.
  • Zum anderen wird sondiert, auf welche Art etablierte und oft traditionsreiche Industrieplayer mit digitalen Jungunternehmern zusammenarbeiten können.

Bei beiden Aspekten explodiert die Entwicklung gerade, fast so, als befänden sich tradierte Unternehmen auf einer riesigen Aufholjagd. Börsen, Portale, Messen und andere Veranstaltungsformate, die die Möglichkeit schaffen, dass sich beide Seiten treffen können, schießen wie Pilze aus dem Boden. Mittler, die die Szene gut kennen und passende Partner zusammenbringen, haben ziemlich zu tun.

Innovation Labs entstehen allerorts. Es gibt kaum einen Großkonzern, der noch kein Startup im Portfolio hat. Manche gehen dazu auf eine weltweite Suche. Auch der Mittelstand zeigt sich mehr und mehr interessiert, und das aus gutem Grund: Wer sich mit den jungen Wilden zusammentut, eröffnet sich neue Geschäftsfelder, verschafft sich Zugang zu neuen Technologien, macht sich fit für die Zukunft und sichert so sein Überleben.

5-Punkte-Programm: So starten Sie konkrete Jung-Alt-Miteinander-Initiativen

Wege zu einem befruchtenden Miteinander zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern, Arbeitsweisen und Unternehmen gibt es genug. Die Chancen sind zahlreich, wenn man sie sehen und ergreifen will. Es lauern aber auch Fallstricke an allen Ecken und Enden, weil entgegengesetzte Mindsets aufeinandertreffen. So empfehle ich zunächst folgende Schritte:

1. Mieten Sie sich in einem Coworking-Space ein

Diese offen und meist minimalistisch gestalteten neuen Orte der Arbeit sind vornehmlich für Kreativarbeiter aus den Bereichen Design, Software, Marketing und Beratung sowie für Freelancer aller Art konzipiert. Im Gegensatz zu traditionellen Büros, in denen Diskretion einen hohen Stellenwert hat, sind Coworking-Spaces lebendig, quirlig und sehr dynamisch. Es gibt sie meist in größeren Städten.

Dort arbeitet aber nicht nur die digitale Bohème. Betahaus-Gründer Max von der Ahé berichtet von je einem Drittel Startups, Freelancern und Corporates. Wissbegierde, Offenheit und Wandlungswille sollten ernsthaft vorhanden sein, damit das Ganze sich lohnt. Große Konzerne schicken einzelne Mitarbeiter oder ganze Teams für eine Weile dorthin, damit sie näher an innovative Themen herankommen, mögliche Kooperationspartner kennenlernen und am Gründergeist schnuppern können.

Anderswo wird der Coworking-Stil längst in die Unternehmen geholt. Die tristen „Schreibtischfarmen“ ehemaliger Großraumbüros werden zu flexiblen, farbenfrohen, inspirierenden, marktplatzähnlichen Arbeitslandschaften umfunktioniert. Dabei entstehen Begegnungsorte, an denen weder Silodenke noch Machtgefüge Chancen haben.

2. Besuchen Sie „Corporates meet Startups“-Veranstaltungen

Auf solchen Events treffen Unternehmensvertreter mit Gründern gezielt und zugleich locker und formlos zusammen. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten zu finden, um Stigmas aus dem Weg zu räumen und Platz für gegenseitiges Befruchten zu schaffen. Das Klima ist geprägt von der Startup-Kultur. Business macht man über Beziehungen und diese funktionieren besser, je weniger Steifheit es gibt.

Solche Veranstaltungen finden vor allem in Innovations- und Gründerzentren, aber auch in einigen Coworking-Spaces wie etwa der Factory oder dem Ahoy in Berlin und verschiedenen Betahaus-Spaces statt. Einige IHKs bieten derartige Veranstaltungen ebenfalls an. Es lohnt sich, mal dorthin zu gehen. Auch Treffen mit Investoren und Acceleratoren stehen dort meist auf dem Programm. Mit etwas Glück ergeben sich vielleicht schon die ersten konkreten Kontakte für die weitere Zusammenarbeit mit einem passenden Startup.

3. Führen Sie ein Reverse-Mentoring-Programm ein

Damit bringen Sie auf einfache Weise frischen Wind ins Unternehmen und bereiten den Boden für größere Transformationsmaßnahmen vor. Geht es nämlich um digitale Errungenschaften, aktuelles Käuferverhalten und zeitgemäße Arbeitsbedingungen, dann ist die Generation der längst digital transformierten Millennials in ihrem Element.

So drehen sich beim Reverse Mentoring die Rollen des klassischen Mentorings um: Der Junior coacht den Senior auf den Themengebieten, die „Jung“ besser kann als „Alt“. Vornehmliches Ziel ist es, die digitale Fitness im gesamten Unternehmen zu erhöhen, altgewohnte Kommunikations- und Arbeitsweisen an die Erfordernisse der digitalen Ära anzupassen und Ältere mit der Lebenswelt der Millennials vertraut zu machen.

Insgesamt ist das Reverse Mentoring ein hervorragendes Tool, um eine lernende Organisation aufzubauen. Genaueres dazu steht in „Fit für die Next Economy“.

4. Machen Sie sich mit agilen Arbeitswerkzeugen vertraut

Die Digitalwirtschaft hat bereits Anfang der 2000er Jahre erkannt, dass die herkömmlichen Arbeitsmethoden zu langsam, zu wenig flexibel und unproduktiv sind und zudem beim Kunden oft zu suboptimalen Ergebnissen führen. So wurden zügig neue Methoden entwickelt, die ein schlankeres, schnelleres und flexibleres Vorankommen möglich machen. Vor allem diese Methoden sind es, die jungen Unternehmen gegenüber den Etablierten enorme Vorsprünge verschaffen:

Allen voran nenne ich Design Thinking, Scrum und Kanban. Diese Methoden werden inzwischen in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt und unterstützen dort in vielen Bereichen das selbstorganisierte Arbeiten in abteilungsübergreifenden Teams. Am besten lässt sich das zunächst dort integrieren, wo junge Leute arbeiten, die diese Werkzeuge schon kennen.

Mehr dazu im nächsten Beitrag. Und in „Fit für die Next Economy„.

5. Veranstalten Sie einen Disrupt-me-Workshop

Bei dieser Maßnahme geht es um die Selbst-Disruption: Was wird als nächstes abgelöst und verschwinden, ist die entscheidende Frage. Wer sich für Unverwundbar hält, hat schon verloren. Nutzen Sie also gute Zeiten, damit sie gut bleiben. Bevor Sie angegriffen werden, sollten Sie sich besser selbst angreifen, zumindest als theoretische Übung. So können Sie Ihre wunden Punkte ausfindig machen, bevor es andere tun.

Der tatsächliche Schritt zur Selbst-Disruption kann eine entscheidende Grundlage sein, um zukünftige Geschäftsfelder zu erschließen. Dabei werden gezielt Produkte in den Markt gebracht, die bestehenden Produkten Konkurrenz machen können. Gerade die großen Vorreiter der weltweiten Digitalwirtschaft befassen sich ständig mit diesem Thema, um nicht von noch jüngeren, besseren Angreifern disruptiert zu werden.

Mehr dazu im übernächsten Beitrag. Und in „Fit für die Next Economy„.

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