„Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass schon jemand anderes ihn rettet“, hat der britische Polarforscher Robert Swan einmal gesagt. Jeder kann auf seine eigene Weise etwas tun, damit die Dinge besser werden. Und jeder einzelne Beitrag zählt.
Ein Spruch, der schon länger im Web kursiert, Urheber unbekannt: „Ich danke all jenen, die wissen, dass sie nicht die ganze Welt retten können, aber trotzdem so verrückt sind, es zu versuchen.“ Wenn diese „Verrücken“ noch viel mehr werden, wenn sie Freiräume für ihr begrüßenswertes Tun bekommen und wenn sie von möglichst vielen für ihre Siege bejubelt werden, dann wird es auch klappen.
Jeder kleinste Anstoß ist wertvoll
Selbst durch den kleinsten Anstoß kann am Ende Großes entstehen. Erst alle Einzelhandlungen zusammen bringen Umwelt- und Klimaschutz wirklich voran. Damit der Rückhalt weiter wächst, müssen wir auf immer neue Art zeigen, wie das gelingt. Dabei gilt es, Sustainability-Themen zunächst in die Köpfe und Herzen der Mitarbeiterschaft und dann in den Markt zu bringen.
Jede gemeinsam erdachte und umgesetzte Nachhaltigkeitsmaßnahme sorgt für ein vertieftes Verständnis, für breite Zustimmung, für sichtbare Ergebnisse und schließlich für ansprechende Narrative. Zugleich verstärkt sich das Wir-Gefühl. Darüber hinaus verändern partizipative Prozesse die Rolle der Mitarbeitenden vom passiven Empfänger vorgefertigter Inhalte zum aktiven Gestalter.
Folgende 6 Top-Initiativen kann ich dazu wärmstens empfehlen:
Interdisziplinäre Taskforces bilden
In vielen Unternehmen wird Sustainability in eine separate Abteilung gesperrt. Leider entsteht so eine silotypische Die-da-Kultur: „Wir anderen sind gar nicht zuständig, die sollen sich darum kümmern.“ Ein komplett interdisziplinäres Vorgehen hingegen sorgt dafür, dass wirklich jeder und jede im Unternehmen zu einem Beschützer von Klima und Umwelt werden kann.
Dazu werden crossfunktional agierende, generationsübergreifende, interhierarchisch aufgestellte Taskforces gebildet. Diese brauchen einen klingenden Namen, vor allem aber Ressourcen und Umsetzungsmacht. Entscheidend ist zudem eine Vernetzung mit Nachhaltigkeitsgleichgesinnten über die Firmengrenzen hinaus. Die Taskforce veranstaltet Lunch-Talks mit profilierten Fachexternen, an denen alle Mitarbeitende freiwillig teilnehmen können, um sich von neuen Ideen inspirieren zu lassen.
Im Rahmen von Großgruppen-Workshops oder Sustainability World Cafés können viele Mitarbeitende gleichzeitig an Nachhaltigkeitslösungen arbeiten. Dabei gehen die einzelnen Bereiche ihre Sustainability-Bemühungen immer wieder aufs Neue durch, um passende Initiativen anzuschieben. Es gibt hunderte Ansatzpunkte, um ökologischer, energieeffizienter und sozialer zu werden. Auch Partner und Kunden werden gezielt unterstützt, damit sie nachhaltiger handeln.
Die Hot Spots zuerst
Wartet nicht, bis euer komplettes Ökoprogramm die Instanzen durchläuft und irgendwann (hoffentlich) genehmigt wird. Beginnt mit Sofortmaßnahmen, idealerweise mit solchen, die dringlich sind und durchgreifende Erfolge rasch sichtbar machen. Sammelt zunächst alle angedachten Ideen. Nutzt dazu kollaborative Tools wie Trello. Arbeitet die priorisierten Initiativen in Kleingruppen aus. Setzt diese zunächst testweise um, um sie dann weiter zu schärfen.
Stellt den Zugewinn der einzelnen Maßnahmen heraus, nicht nur den faktischen, sondern insbesondere auch den emotionalen. Die Hoffnung auf eine gemeinsame gute Zukunft kann Angst verdrängen und zu entschlossenem Handeln führen. Ein wunderbarer Nebeneffekt: Wer Initiativen selbst entwickelt und in die Tat umsetzt, kommt sogar mit Einschnitten besser zurecht. Die Teilnehmer agieren nach innen und außen als Botschafter und Multiplikatoren. Sie drehen Video oder schreiben Storys und geben dies in den Netzwerken weiter.
„Hack the Org“-Maßnahmen
Der Begriff Workhack stammt aus der Szene der jungen Unternehmen. In kompakten Sessionen geht es darum, Methoden, Maßnahmen und Tools zu entwickeln, die dazu dienen, unbrauchbares Vorgehen schnell loszuwerden und intelligentere, effizientere, passendere Wege für die adressierten Themen zu finden. Hierarchieunabhängig kann jeder Mitarbeitende Workhacks initiieren, wenn er die Notwendigkeit dafür sieht.
Dies erzeugt eine erstens fortwährende und zweitens vorausschauende Selbsterneuerung in kleinen Schritten. So ist es viel leichter, in punkto Sustainability den notwendigen Wandel voranzubringen. Veränderungsbereitschaft wird zur Normalität, weil sie durch ständiges Ausprobieren, Reflektieren, Adaptieren und Optimieren de facto täglich trainiert wird.
Green Nudging
Das Nudging hat der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Richard H. Thaler populär gemacht hat. Dabei geht es um smarte Anstöße zugunsten einer gewünschten Verhaltensrichtung. Werden auf einer Speisekarte zuoberst die vegetarischen Gerichte gelistet, wird öfter fleischlos bestellt. Wird die Tellergröße am Buffet reduziert, beugt das der Lebensmittelverschwendung vor.
Gibt es die Möglichkeit eines Nachschlags, vermindert das unnötige Reste. Dürfen überschüssige Snacks zum kleinen Preis nach Hause mitgenommen werden, reduziert das Essensabfälle. Werden im öffentlichen Verkehr die Radwege rot markiert, parkt man sie seltener zu. Als im Schweizer Einzelhandel für Plastiktüten ein Pflichtpreis von 5 Rappen eingeführt wurde, ging der Verbrauch im Folgejahr um 84 Prozent zurück.
Nachhaltigkeitsausflüge und -events
In vielerlei Firmenveranstaltungen können Nachhaltigkeitsaspekte eingebunden werden. So könnt ihr etwa bei einem internen Kochevent über den Wert der Inhaltsstoffe sprechen, die Problematik industriell gefertigter Lebensmittel und ihrer Lieferketten erörtern oder die ganze Bandbreite der Folgen, die durch ungesundes Essen entstehen, untersuchen. Im Vordergrund steht dabei die Information als solche. Keinesfalls sollte durch eine hitzige Diskussion über Pros und Kontras die gute Laune beim Kochen und anschließenden Genießen leiden.
Geht es um nachhaltigkeitsfreundliche Teamevents, sucht ihr gemeinsam nach passenden Ideen und wählt eine Alternative, die allen zusagt. Zum Beispiel kann man bei der Mitarbeit auf einem Biobauernhof oder bei der Aussaat einer Blühwiese eine Menge lernen. Ihr könnt aktive Patenschaften für örtliche Naturschutzprojekte übernehmen, wie etwa für die so wertvollen Moorlandschaften.
Die Identifikation ist, wenn man hautnah dabei sein kann und die Dinge persönlich begleitet, viel höher als bei anonymen Kompensationsprojekten irgendwo auf der Welt. Zudem bieten lokale Aktionen jede Menge Stoff zum Weitererzählen und zum Teilen im Web. Besonders beeindruckend kann ein nachhaltiger Betriebsausflug durch die Wälder der Region sein, wenn er von einem erfahrenen Förster begleitet wird. Das Biosystem Wald bietet sich als Analogie für das Biosystem Unternehmen geradezu an.
Peer-to-Peer-Lernen
Mitarbeitende auf gleicher Ebene wissen meist sehr viel besser als Höhergestellte weit weg vom Schuss, welche Lerninhalte für die Kollegen hilfreich sein können und was alle gemeinsam weiterbringt. Die Beteiligten sind Lehrende und Lernende zugleich (Peer = der Gleichrangige). Dabei wird passender „grüner“ Content auf firmeninternen Plattformen in Eigenregie zusammengetragen, neu erstellt und kuratiert.
Solche Plattformen sind für alle Beschäftigten zugänglich. Sie haben Like- und Kommentarfunktionen. Dies fördert die kollaborative Interaktion, den hierarchiefreien Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Reflexion. Interne digitale Learning Experience Plattformen (LXP) können genutzt werden, um das oft in den Unternehmen weit verstreute Wissen zum Thema Nachhaltigkeit zu bündeln. So kann Wissen rund um das Thema jederzeit und überall abgerufen werden.
Übrigens: Für meinen nächsten Blogbeitrag in 14 Tagen habe ich 6 weitere Umwelt- und Klimaschutzaktionen vorbereitet.