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Unternehmensführung Digitalisierung

Innovation Labs: Transformationshelfer und Prototypen für Unternehmen der Zukunft

Die Schwächen, die sich bei traditionellen Organisationsstrukturen in Hinblick auf rasche Innovationen, Digitalisierungsstrategien und neue Geschäftsmodelle zeigen, bewegen immer mehr Unternehmen dazu, mit Startups zusammenzugehen oder eigene Innovation Labs zu gründen.

Innovation Labs können, wenn man sie richtig aufsetzt und ernsthaft betreibt, zu einem Lernfeld für das ganze Unternehmen werden. Sie sind Schutzraum für innovative Gedanken, Experimentierfelder für Überholmanöver, Enklaven für neue Formen der Unternehmenskultur und ideale Versuchslabore für Arbeitsmodelle der Zukunft.

In diesem Gastbeitrag umschreibt Alex T. Steffen, Mitautor von Fit für die Next Economy, in aller Kürze, was bei der Zusammenarbeit mit Innovation Labs zu beachten ist. Alex unterstützt Unternehmen dabei, eine digitale Strategie und die Voraussetzungen für eine gelebte Innovationskultur zu schaffen.

Sinn und Zweck von Innovation Labs

Innovationszentren haben meist den expliziten Auftrag, digitale Innovationen zu beschleunigen. Dabei wird das Ökosystem von Startups, Risikokapitalgebern, Acceleratoren und akademischen Institutionen genutzt, das sich meist in sogenannten Technologiehubs konzentriert. Im Kern steht der interdisziplinäre Austausch zwischen Spezialisten für unterschiedliche Technologien und kreativen Köpfen mit digitalem Verständnis.

Ein Innovationszentrum ist ein Team, ein Raum und eine Denkweise. Primäres Ziel ist es, die Innovationskraft des Mutterkonzerns zu beschleunigen. Das geschieht, indem man das Kundenerlebnis überdenkt, die operative Effizienz verbessert und neue Geschäftsmodelle durch den Einsatz digitaler Technologien wie Big Data, IoT, Social Media, Mobile, Robotik, Augmented Reality und 3D-Druck erprobt.

Man versucht, eine Umgebung zu schaffen, in der ein designiertes Team Veränderungen im Markt erkennen, begreifen, integrieren und nutzen kann. Das gibt den Firmen die Möglichkeit, zu experimentieren, um Risiken, Chancen, Hürden und Einschränkungen abzuschätzen und dabei auch Fehler zu machen, die innerhalb einer herkömmlichen Unternehmensstruktur unerwünscht oder viel zu teuer wären.

Der spezifische Nutzen von Innovation Labs

Innovationszentren, auch Innovation Labs, Startup Hubs und Inkubatoren genannt, verkörpern den frischen Entwickler- und Pioniergeist der Startup-Szene. Mittleren und auch großen Unternehmen dienen sie dazu, sich an die Digitalisierung heranzutasten und mit den neuesten Trends Schritt zu halten.

Ungehindert von bürokratischen Strukturen und fernab von verkrusteten Denkmustern sollen zukunftsfähige Produkte geschaffen und neue Formen der Zusammenarbeit getestet werden. So bieten Innovationszentren jede Menge Nutzen. Sie:

  • beschleunigen die Innovationskraft,
  • sind Quellen für außergewöhnliche Ideen,
  • erhöhen die Risikobereitschaft der Organisation,
  • ziehen Talente an,
  • stärken die Arbeitgebermarke,
  • erhöhen die Reputation in der Öffentlichkeit,
  • sorgen für Medienpräsenz,
  • motivieren die eigenen Mitarbeiter,
  • lassen eine Innovationskultur entstehen,
  • sind Prototypen für neue Arbeitsformen,
  • sichern die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Zukunft.

Ein führendes europäisches Finanzinstitut hat einem Startup-Innovationsteam sogar das explizite Mandat zur gedanklichen Disruption der eigenen Firma übertragen.

Vier verschiedene Typen von Innovationszentren

Innovationszentren sollten prioritär in Tech Hubs oder an Innovationsstandorten entstehen, um die dortigen Netzwerkeffekte nutzen zu können. Vermehrt wird dieses Angebot deshalb von Firmen als Dienstleistung bezogen. Es gibt vier Haupttypen von Innovationszentren, die sich in ihren Eigenschaften auch überschneiden können.

  • Inhouse-Labs: Sie sind Eigengewächse größerer Unternehmen. Eine räumliche Trennung vom Mutterkonzern, eine eigene Geschäftsführung und ein coworking-ähnliches Arbeitsumfeld sind üblich.
  • Anschluss an Universitäten: hierbei – wie etwa bei der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Stanford University – entwickeln internationale Forscher und Experten gemeinsam neue Konzepte.
  • Mentor-Gemeinschaften: Bei diesen werden Pilotprojekte einem “Proof of Concept”, also einer Bewertung durch Mentoren und Experten unterzogen.
  • Vorposten: Bei diesen forschen kleine Teams an Innovationsstandorten wie dem Silicon Valley, London, Paris, Tel Aviv, Singapur und Berlin.

Von einigen Firmen werden Innovationszentren ins Leben gerufen, um sie Dritten als Dienstleistung anzubieten. Sie kombinieren Unternehmensstrategie, Lean-Startup-Methodik, neue Technologien und kreatives Design, um Organisationen für die digitale Welt vorzubereiten.

Die spezifischen Aufgaben von Innovationszentren

Innovation Labs konzentrieren sich in aller Regel darauf, unternehmensübergreifende Ideen zu finden, die vom Unternehmen selbst möglicherweise aufgrund erstarrter Strukturen nicht entwickelt werden können. Sie haben zum Beispiel folgende Aufgabenstellungen:

  • Verständnis für den digitalen Kunden vertiefen,
  • Auswerten und Testen neuer Technologien,
  • Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen oder Proofs of Concept,
  • Gestalten neuer Geschäftsmodelle, die an den heutigen Kunden angepasst sind,
  • Verknüpfung mit Startups,
  • Identifizieren potenzieller Partner und Knüpfen strategischer Beziehungen,
  • Schaffung datengetriebener Organisationen,
  • Bewertung bestehender und neuer digitaler Investitionen und Initiativen,
  • Entwicklung einer Innovationskultur innerhalb der Organisation,
  • anerkannter Teil der Innovationsgemeinschaften werden.

Dabei nutzen Innovation Labs Arbeitsmethoden mit modernen agilen und benutzerorientierten Ansätzen wie zum Beispiel Ideation, Rapid Prototyping, Kanban, Scrum, Erlebnis Design und Design Thinking. All das hilft herkömmlichen Firmen dabei, Veraltetes auszusondern und neue Geschäftsmodelle zu erkunden.

Herausforderungen und generelle Gefahren

Innovationszentren haben das Potenzial, die Unternehmen systematisch auf eine veränderte Zukunft vorzubereiten. Doch vieles davon ist symbolischer Aktionismus. Statt tatsächlich Innovationen zu generieren, werden Innovation Labs manchmal sogar als PR-Werkzeug missbraucht, um das Bild eines innovativen Unternehmens zu kreieren.

Anderen dient es als Attraktion, um Besucher zu beeindrucken oder den CEO in Szene zu setzen. So sind manche Labs nichts als Fassade, Innovationstheater auf der Vorderbühne: Schön gespielt, aber zum Scheitern verurteilt. Und Investment verpulvert. Die alte Arbeitsweise wird im Kostüm der New Economy weitergeführt.

Die Hauptprobleme, durch die das Potenzial von Innovation Labs verschenkt wird:

  • In den meisten Fällen dominieren die trendigen Symbole der Digitalisierung, aber nicht die Inhalte. Ein mutiger Schritt in Richtung Wandel ist eine Seltenheit.
  • Durch den „Clash of Cultures“ stockt die gegenseitige Befruchtung von “Jung” und “Alt” beziehungsweise “Klein” und “Groß”. Es mangelt an Lernbereitschaft und dem Willen, der anderen Gruppe zu vertrauen.
  • Während die Fassade des Neuen aufrecht steht, regiert im Hintergrund das Alte. Zudem ist es oft so, dass interne Machtspiele auf das Lab überspringen.
  • Ein unübersichtliches Gewirr an Methoden erschwert die Verankerung und Skalierung der prototypisierten Produkte und Geschäftsmodelle.

Ein Risiko für konzerneigene Innovationszentren besteht zudem darin, dass sie sich von der Mutterorganisation zu rigoros abspalten. Deshalb ist es entscheidend, dass die Business Units bei der Auswahl, der Bewertung und der Durchführung von Innovationsprojekten einbezogen werden.

Oft werden Innovationszentren von den Kollegen innerhalb der Unternehmensstruktur als Außenseiter betrachtet. Das kann speziell dann Probleme schaffen, wenn es darum geht, die von den Labs erarbeiteten Lösungen zu vermarkten. So ist es wichtig, dass Innovation Labs trotz ihrer Autonomie im Einklang mit den geschäftlichen Anforderungen der Mutterorganisation stehen.

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