Der Weg in die Zukunft: Selbstdisruption und „Kill the Company“ wagen

Bei der Selbstdisruption werden Sie zum „Hacker“ Ihres eigenen Geschäftsmodells. Die klassische Standardfrage „Wie können wir die Konkurrenz schlagen?“ wird dabei auf den Kopf gestellt. Sie lautet nun so: „Wodurch, an welcher Stelle, wie und warum können uns smarte Jungunternehmer und wilde Startups jäh attackieren?“ Und denen kommen Sie dann zuvor.

Ist die Selbstdisruption bei Ihnen ein Thema?

Disruptiv nennt man einen Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell, eine bekannte Technologie, eine übliche Dienstleistung, eine traditionelle Kategorie oder ein gesamter Markt durch eine plötzlich auftauchende Neuheit abgelöst wird. Dies ist der Unterschied zu einer Innovation, die existierendes maßgeblich weiterentwickelt.

In die Tat umgesetzte Selbstdisruption bringt ganz gezielt neuartige Produkte in den Markt, die bestehenden Produkten Konkurrenz machen können. Innovationstreiber Apple hat wiederholt den Mut dazu gehabt. So war es beim iPhone, das dem iPod Marktanteile raubte und auch beim iPad, das die Mac-Verkäufe kannibalisierte.

In tradierten Organisationen, in denen Produktmanager regieren und jeder sein eigenes Territorium streng bewacht, weil daran Vorgaben und Zielerreichungsboni hängen, wäre so etwas kaum möglich. Dabei kann der Schritt zur Selbstdisruption eine entscheidende Grundlage sein, um zukünftige Geschäftsfelder zu erschließen, bevor ein Konkurrent genau das tut.

Selbstdisruption findet nicht nur in der Digitalwirtschaft statt

Die großen Vorreiter der Digitalwirtschaft befassen sich ständig mit diesem Thema, um nicht von noch jüngeren, besseren Angreifern disruptiert zu werden. Aber nicht nur die. Auch Traditionskonzerne und Einzelunternehmer müssen Erfolgskonzepte und bewährte Rezepte in Frage stellen, um das Möglichkeitsland zu erreichen.

Nehmen wir uns ein Beispiel am Weltumsegler Bertrand Piccard. Nach zwei gescheiterten Versuchen gelang es ihm, die erste Nonstop-Ballonfahrt rund um die Erde erfolgreich zu beenden. Und warum? „Ich hatte das Muster, nach dem mein Ballon gebaut war, komplett verändert, während meine Wettbewerber immer wieder mit den gleichen falschen Strategien und Technologien weitergemacht hatten – und jedes Mal aufs Neue aus den gleichen Gründen gescheitert waren.“

Auch der Schweizer Traditionskonzern Nestlé hat sich selbst disruptiert. Vor Jahren präsentierte einer der Ingenieure, Eric Favre, seinem Arbeitgeber ein Kapsel-System. Zunächst bekam er eine Abfuhr, denn Nestlé favorisierte den eigenen Nescafé. Doch dann machte der damalige CEO Helmut Maucher ihn zum Chef der neuen Firma Nespresso. Der Rest der Geschichte ist Kult. Der Nespresso-Jahresumsatz wird auf derzeit rund 5 Milliarden Euro geschätzt.

Wie Sie ein Disruptionsprojekt in Angriff nehmen

„Wieso, läuft doch alles prima bei uns“, höre ich oft. Ja, noch! Die jüngere Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass Firmen sich fast immer dafür entscheiden, die bestehenden Einnahmequellen zu schützen. Mit oft verheerendem Ausgang, wie man regelmäßig der Presse entnimmt. Das Neue kommt heute im Monatsrhythmus daher. „Früher“ war letztes Jahr. Und „später“ heißt nicht selten „zu spät“. Wer sich selbst überschätzt und für unverwundbar hält, hat schon verloren.

Nutzen Sie gute Zeiten, damit sie gut bleiben. Bevor Sie also angegriffen werden, sollten Sie sich besser selbst angreifen, zumindest als theoretische Übung. So können Sie Ihre wunden Punkte ausfindig machen, bevor es andere tun. Wie ein Disruptionsprojekt konkret ablaufen kann, wird in „Fit für die Next Economy“ ausführlich beschrieben.

Dies muss von der Geschäftsleitung aus initiiert, von ihr mitgetragen und intern umgesetzt werden. Wer das scheut, macht sich zum gefundenen Fressen für Poltergeister, Technologiepropheten und Consultingfirmen, die einem ihre Schubladenkonzepte überzustülpen versuchen. Klassische Unternehmensberater sind keine digitalen Transformer.

Wie Sie einen „Kill the Company“-Workshop organisieren

„Kill the Company“ geht zurück auf Management Consultant Lisa Bodell. Im Rahmen ihres Ansatzes wird der Angriff eines Wettbewerbers simuliert, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Dies ist wie eine Freifahrkarte, um es mal so richtig krachen zu lassen. Die Vorstellung vom eigenen Untergang setzt jede Menge Energie frei, sich kühn an egal welches Thema zu wagen.

Im Rahmen von „Kill the company“-Workshops werden konkrete Zukunftskonzepte entwickelt. Dies entzündet eine neue Kreativitätsdimension, mit deren Hilfe man sich in eine bessere zukünftige Position bringen kann. Zumindest erlangen Sie dabei eine realistische Vorstellung davon, wie gut Sie wirklich im Rennen sind und wo Ihre nächsten Prioritäten liegen müssen.

Lisa Bodell bringt in ihren Workshops auch ganz überraschend Ereigniskarten ins Spiel, um die Flexibilität der Teilnehmer anzuregen. Diese repräsentieren unerwartete Szenarien, die einen eiskalt erwischen können. So muss Team 1 sein Ziel beispielsweise mit der Hälfte des Geldes erreichen, Team 2 in der Hälfte der Zeit und Team 3 mit der Hälfte der Mitarbeiter.

Disruptionsaktionen: Holen Sie interne und externe junge Talente dazu

Egal, ob Sie für Disruptionsaktionen einen kleinen oder großen Teilnehmerkreis wählen, einige junge Wilde müssen dabei sein. So gelingt es, alles über deren Denken und Handeln aus erster Hand zu erfahren. Strukturelle Schwächen, unzeitgemäße Angebote und mangelnde Technologiekompetenz können so aufgedeckt werden.

Externe junge Experten sind dabei besonders wertvoll. Sie stärken den internen jungen Wilden den Rücken. Vor allem aber sind Externe exzellente Sparringpartner. Sie kennen keine Skrupel. Sie brauchen auf Animositäten keine Rücksicht zu nehmen. Heilige Kühe, an die sich tabumäßig niemand herantraut, werden schonungslos angegangen.

Befindlichkeiten und „blinde Flecken“ werden sichtbar gemacht. Beschwichtigungsrituale, das Kleinreden von Drohpotenzial und einlullendes Blendwerk zählen nicht mehr. Den jungen Wettbewerbern ist all das nämlich völlig egal. Die konzentrieren sich auf ganz genau das, was Sie nicht tun wollen oder können.

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