Kommunikation von heute und morgen: von 2.0 bis 4.0 – und darüber hinaus

Digitalisierung5Im Jahr 2004, als Nokia mit einem Anteil von nahezu 40 Prozent den Mobiltelefon-Weltmarkt beherrschte, unterlief dem damaligen CEO Jorma Ollila ein folgenschwerer Irrtum: „Es gibt keinen Markt für mobiles Internet per Handy“, ließ er während einer Pressekonferenz verlauten.

Und als Steve Jobs 2007 sein Absatzziel für das brandneue iPhone verkündete, sagte ein Nokia-Manager siegesgewiss: „Zehn Millionen Handys sind gar nichts, das verkaufen wir in zwei Wochen.“ Anfang 2014 wurde der klägliche Rest der Nokia-Mobilfunksparte an Microsoft verkauft und dann eingestampft.

Mit einem ästhetisch schönen Gehäuse, einem Display zum Streicheln, dem mobilen Zugang ins Web und – ganz wichtig – einem damit verbundenen App-Store wurde der Beginn des Web-3.0-Zeitalters eingeläutet. Diese Erfindung, die Märkte und Menschen zu einem Ökosystem vernetzt, kann als ein Bahnbrecher der disruptiven Bewegung gelten. Es hat das Web 3.0-Zeitalter eingeläutet. (Was 1.0 und 2.0 ist, lesen Sie hier.)

Web 3.0 – das Mobile Web

Bis auf weiteres wird das Smartphone als Schaltzentrale unseres digitalen Lebens fungieren. Durchschnittlich 221 Mal und insgesamt 90 Minuten lang nehmen wir es derzeit täglich zur Hand – oft innerhalb von 15 Minuten nach dem Aufstehen zum ersten Mal. Doch das Rumsuchen und Nichtvergessendürfen kann ganz schön nerven. Und das ständige Aufladenmüssen ist mühsam. In zehn Jahren werden wir es sicher ziemlich albern finden, mit einem Telefon am Ohr durch die Gegend zu laufen.

Zunächst hat das Smartphone für eine Dematerialisierung gesorgt: Schallplatten, Bücher, Fotos, Tickets, Schlüssel, Geld, Wecker, Notizblock, Visitenkarten, Ausweispapiere und vieles mehr stecken darin. Es ist zur Nabelschnur zwischen online und offline geworden. Unser halbes Leben tragen wir darin herum.

Als Türsteher kann es uns selbständig warnen: Vor unlauteren oder überteuerten Angeboten, vor Marktteilnehmern, die wir nicht mögen, vor Lebensmitteln, die wir nicht vertragen, vor Menschenschindern und Umweltzerstörern. In Notsituationen kann es Leben retten. Vor allem aber erleichtert es uns den Alltag – beruflich wie auch privat.

Aus den Tiefen des virtuellen Raums holt sich unser mobiler Kamerad digitale Zusatzinformationen in Echtzeit aufs wartende Display. Während man so durch die Gegend streift, empfängt er Informationen über Restaurants, deren Küche man mag, meldet Freunde in der Nähe und erzählt von den Sehenswürdigkeiten ringsum.

„Mobile first“ wird unumgänglich

Wie von Zauberhand verrät unser smarter Begleiter, wo es gerade die Lieblingsmarke zum Sonderpreis oder einen Gutschein zum Herunterladen gibt, um uns von der Straße in ein Geschäft zu locken. Und während unser Blick dort über die Auslagen wandert, checkt unser digitaler Helfer bereits die Reputation des Händlers, die ökologische Haltung der Anbieter und die Preise im Vergleich.

Mobil verfügbare Informationen aus dem Web werden immer mehr zur Grundlage von Kauf-, Nutzungs- und Lebensentscheidungen. Aus Anbietersicht lassen sich durch Lokalisierung, Personalisierung und Echtzeit völlig neuartige Vermarktungskonzepte entwickeln. Und damit wird aus der ehemaligen Massenkommunikation nun eine 1:1-Kommunikation (one to one).

Es gibt keine lenkbaren Massen mehr, wenn man jederzeit und von überall her die Informationen abrufen kann, die man gerade benötigt. Mit elektronischer Hilfe erhält heute jeder auf Wunsch seine eigene Zeitung, sein eigenes Fernsehprogramm sowie eine individuelle Trefferliste, wenn er Suchmaschinen befragt. Und fortan wird er auch seine ganz persönliche Ansicht erhalten, wenn er auf eine Webseite geht.

Wie weit das heute schon ist, habe ich an meinem letzten Geburtstag erlebt. Auf meinem Rechner war ein Google-Doodle (die Grafik über dem Suchfeld) mit Kerzen und Kuchen zu sehen, und als ich mit dem Mauszeiger darüberfuhr, sagte das Doodle: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Anne. Auch wenn ich natürlich weiß, dass Algorithmen mit mir reden, weil Google meine Daten abgreift: Es hat mir gefallen.

Web 4.0 – das Internet der Dinge

Schritt für Schritt erobert das Internet alle Orte und Geräte des Alltagslebens. Sensoren, die Maschinen, Produkte und Objekte drahtlos überwachen, kontrollieren und steuern, verbreiten sich nun rasant. Im Web 4.0 wird jeder Gegenstand zu Sender und Empfänger zugleich. Alles ist mit allem vernetzt (everything to everything).

Während das Web 2.0 die Menschen miteinander verband, beim Web 3.0 Mobilität und digitalbasierte Kaufprozesse im Vordergrund standen, geht es beim Web 4.0 um die Durchdigitalisierung aller Unternehmensbereiche: Entwicklung, Produktion, Logistik, Arbeitsplätze, Vertriebskonzepte, Kundendienst, Serviceprozesse. Alles wird in Zukunft smart und connected, also intelligent miteinander verbunden.

Ein Beispiel gefällig? Es stammt aus meinem neuen Buch Touch.Point.Sieg: In einem smarten Restaurant geht das schon bald so: Tisch an Smartphone: „Ich erwarte dich, wie bestellt, um 19 Uhr, alles okay? Ah ja, ich sehe, du hast dich schon auf den Weg gemacht.“ Smartphone an Tisch: „Ja, nehme diesmal die Seitenstraße, auf der Hauptstraße ist Stau. Werde mich um 10 Minuten verspäten.“ Auto an Ampel: „Schalte bitte für mich auf Grün.“

Wenig später Tisch an Smartphone: „Ich sehe, du bist in 2 Minuten hier. Weißbier, wie immer? Ich sag dem Zapfhahn schon mal Bescheid. Du hast übrigens schon 0,2 Promille im Blut. Außerdem empfehle ich einen gemischten Salat. Deine Vitaminwerte sind ziemlich im Keller.“ Smartphone an Tisch: „Danke, sehr fürsorglich, wie immer.“ Tisch an Auto: „Nimm Parkplatz drei, ist für dich reserviert.“ Weißbier-Zapfhahn an Ober Giovanni und Tür: „Ich wär dann soweit.“ Hologramm in der Tür: „Wie schön, dass Sie da sind, Frau Schüller, willkommen zurück. Giovanni, ihr Lieblingstisch und ein Weißbier erwarten Sie schon. Genießen Sie den Abend bei uns.“

Mensch und Maschine werden miteinander verschmelzen

Jede Evolutionsstufe der Webnutzung hat das Konsumentenverhalten stark verändert. Der Treiber des Wandels ist die jeweilige Technologie. Sie wird Formen der Kommunikation ermöglichen, die heute noch nach Science Fiction klingen. So werden schon bald Nanobots in unserem Körper nach dem rechten schauen. Und irgendwann in nicht ferner Zukunft werden Menschen mit Maschinen und Gehirne mit Computern verschmelzen.

Auch wenn sowas heute noch gruselig klingt: Genügend Leute werden es kaum abwarten können, jeden technologischen Fortschritt auszuprobieren. Aus den positiven Erfahrungen solcher Early Adopter erwachsen dann neue Anforderungen an alle Player im Markt. Was menschenmöglich ist, erweitern wir, seitdem es uns Menschen gibt. Selbstoptimierung heißt der Nutzen, Vorsprung ist das Ziel.

Neben dem Erklimmen immer höherer technologischer Levels sollten durch die digitale Transformation aber auch immer höhere ethische Level angestrebt werden. Vertrauen ist der dabei vielleicht wichtigste Wert. Vor allem, wer die Daten der Kunden will, dem muss dieser Kunde vertrauen. In Zukunft werden solche Anbieter vorne liegen, die beweisen können, dass sie die persönlichen Daten ihrer Kunden glaubwürdig schützen.

Grafik-Kommunikation

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1 comment to Kommunikation von heute und morgen: von 2.0 bis 4.0 – und darüber hinaus

  • Beschäftige mich seit einigen Jahren professionell mit analoger Kommunikation, also von Mensch zu Mensch.
    Nach Manfreds Spitzers Buch „Digitale Demenz“, bin ich dazu gekommen mich mehr mit digitaler Kommunikation zu befassen.
    Deshalb vielen Dank für den tollen Artikel und die vielen guten Anregungen und Impulse.

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