- Touchpoint Blog Anne M. Schüller - http://blog.anneschueller.de -

Über Produktentwicklungen 1.0 und auslaufende Duschen

Sicher haben Sie auch schon mal über schlechtes Produktdesign und unverständliche Gebrauchsanleitungen den Kopf geschüttelt. So was kommt aus den Elfenbeintürmen der alten Web-1.0-Welt. Wie dort Produkt-, Design- und Werbeentscheidungen auch heute immer noch gerne getroffen werden?

„Also, mir würde das so und so gefallen“, sagt der Boss, und seine ergebene Meute nickt fleißig und brav. Widerspruch zwecklos, denn das Machtwort ist gesprochen. Und das Schicksal nimmt seinen Gang. Produkte, deren Funktionen niemand braucht, deren Gebrauchsanleitung keiner versteht, die niemand kauft, weil niemand mit ihnen was anfangen kann, kommen mit großem Tamtam auf den Markt. Flop-Raten bis zu 80 Prozent sind dann die Folge.

So mag ich Design und steige deshalb auf Reisen gerne in Design-Hotels ab. In manchen gibt es diesen Trend, Bad und Duscheinheit hinter Plexiglas mitten ins Zimmer zu bauen. Das sieht vielleicht ganz designig aus, doch ich frage mich, ob die Entwickler je in einem solchen Zimmer übernachtet haben.

Dann würden sie nämlich folgendes wissen: Idealerweise schläft man bei einer Raumtemperatur um die 17 Grad. Im Winter kann‘s bei offenem Fenster auch schnell mal deutlich kühler werden. Aufgestanden und geduscht steht man dann nackig und nass in der Kälte. Oder man ist, weil die Firma sparen will, mit einem Kollegen im gleichen Zimmer untergebracht. So turnt man dann ohne die Gnade einer trennenden Wand vor seinem Zimmergefährten herum. Und nicht immer ist das, was der dann zu sehen bekommt, ein Meisterwerk.

Kürzlich in Wien, in einem Hotel mit genau solchen Duschen, unterhielten wir uns abends über das Thema. Und morgens (Ob das eine sich selbsterfüllende Prophezeiung war?) lief dann beim Duschen das Wasser nicht ab. Bis ich das merkte, war der Dusch-Innenraum schon mit mehr als 20 cm Wasser gefüllt. Ich hatte keine Wahl, ich musste die Türe öffnen – und das Wasser schwallte ins Zimmer. Mir tun bei sowas immer die Zimmermädchen leid. Die haben nämlich solch unbedachten Designer-Blödsinn – hier im wahrsten Sinne des Wortes – auszubaden.

Die Lösung? Mitarbeiter und Kunden rechtzeitig involvieren, dann kann sowas nicht passieren.

[1] [2] [3]