- Touchpoint Blog Anne M. Schüller - http://blog.anneschueller.de -

New World of Work und neue Führungsstile: Der Möglichmacher, also Enabler (1)

Spitzenleistungen kann man nicht einfordern. Man kann sie nur ermöglichen. Sie haben immer zwei Komponenten: das Können und das Wollen. Daher arbeiten Möglichmacher vor allem an der Schaffung optimaler Rahmenbedingungen.

Sie sind zupackend, nahbar, verstehend. Sie sind Inkubatoren für den Erfolg. Sie haben verstanden, dass eine der Hauptaufgaben einer Führungskraft darin besteht, das Zusammenarbeiten zu ermöglichen. Deshalb werden Sie auch Enabler genannt.

Ihre Zielsetzung ist es, ein anspornendes Leistungsumfeld zu schaffen, damit sich die Leute voll entfalten können. Und sie wissen: Mitarbeiter bringen – genauso wie Spitzensportler – nur unter optimalen Bedingungen ihre Höchstleistung ein.

Optimale Bedingungen, um Höchstleistungen zu schaffen

Dazu müssen individuelle Arbeitsmotive und Talente ermittelt sowie zwischenmenschliche und organisatorische Motivationshemmer identifiziert und weggeräumt werden. Fragen wie diese sind dabei hilfreich:

„Was genau kann ich jetzt (sofort) tun, um hierbei zu unterstützen? … Okay, danke. Und was noch?“ Das Nachhaken ist wichtig, denn oft werden erst im zweiten Anlauf die wahren Anforderungen, Anliegen und Wünsche genannt.

Bei all dem werden Arbeitsplatz und Aufgabe an die Fähigkeiten der Stelleninhaber angepasst – und nicht umgekehrt. Möglichmacher sehen sich als Potenzialentwickler und nicht als Exekutierer der Unternehmensstrategie. Sie sind Dienstleister für ihre Mitarbeiter-Kunden.

Ein Beispiel: die Spar Handelskette in Ungarn

„Auch in unserem Land war der autoritäre Stil in der Führung lange ein Thema“, erzählt Erwin Schmuck, Geschäftsführer der Spar Handelskette in Ungarn. „Da war es meine Aufgabe, den Mitarbeitern zunächst Vertrauen entgegenzubringen, damit sich ihr Selbstvertrauen entwickelt.

Der zweite Schritt war dann der vom Müssen zum Wollen. Gibt man den Leuten Spielraum, entsteht automatisch mehr Engagement. Und so kann sich auch die Persönlichkeit eines Menschen entfalten, was die Kunden sehr schätzen.

Einmal haben die Mitarbeiter, ich war selbst ganz erstaunt, in unserem Interspar-Markt in Budapest eine Zumba-Tanzeinlage aufgeführt. Die Kundschaft hat fleißig mitgetanzt, und hinterher gab es mächtig Applaus.“

Edelsachbearbeiter werden nicht mehr gebraucht

Viele Obere meinen immer noch, sie müssten alles selbst wissen, alles selber können und ihren Leuten sagen, wie die Dinge zu laufen haben. „Edelsachbearbeiter“ werden sie gerne genannt. Mikromanagement ist ihr Markenzeichen. Denn ihr Selbstbild verbietet es ihnen, die Zügel aus der Hand zu geben.

Ihr antiquiertes Arbeitsmotto, man merkt es am Sprachstil, geht so: „Nur was der Meister selbst getan, ist wohl geraten.“ Solche ‚Meister‘ können sich schlecht auf andere Sichtweisen einlassen. Selbst die genialsten Ideen werden sie niedermachen, wo es nur geht. Und in Wahrheit?

In Wahrheit hat ihr Ego vor allem Sorge um Machtverlust – und Graus vor der inneren Leere. Oder Angst vor dem Zeigen von Schwäche. So wird munter angewiesen – statt involviert und delegiert. Denn Macher sind ungeduldig. Und sie wollen selber machen.

Das Management: meist völlig ineffizient

„Wer Kompetenzen einschränkt, verringert den Anreiz für Mitarbeiter, zu träumen, zu fantasieren und sich einzubringen“, sagt der Managementvordenker Gary Hamel. Sehr drastisch formuliert er auch dies: „Keine Funktion in Ihrem Unternehmen ist ineffizienter als das Management.“ Denn die vielen Genehmigungsschritte verlangsamen jede zeitnahe Reaktion.

Mehr noch: „Je bedeutsamer eine Entscheidung ist, desto kleiner wird die Zahl der Personen, die sie anzweifeln können.“ Und, ganz abgesehen von den „Kosten der Tyrannei“, so Hamel, sei das Resultat dies: „Nur zu oft erweisen sich aus der Höhe des Olymps gefällte Entscheidungen in der Praxis als völlig unbrauchbar.“

Möglichmacher müssen nicht jeden Job selbst gut können

Möglichmacher verlagern einen Großteil der Entscheidungen dorthin, wo die kompetentesten Leute sitzen. Sie müssen nur wissen, wie das aussieht und was es bedeutet, wenn jemand auf den einzelnen Professionalitätsstufen seinen Job richtig gut macht. Sie müssen aber nicht jeden Job selbst gut können.

Zum Beispiel erweisen sich viele (hastigen) Stellenbesetzungen im Nachhinein als Fehlgriff, was angesichts des Fachkräftemangels besonders tragisch sein kann. Würde man verstärkt diejenigen mitentscheiden lassen, mit denen der Auserwählte später zusammenarbeitet, ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

Zur fachlichen Passung – die durch eine Vorauswahl gesichert wird – käme eine Einschätzung der menschlichen Passung hinzu. Und diejenigen, die sich für einen Kandidaten stark gemacht haben, täten dann auch alles, damit er sich ins Team integriert.

[1] [2] [3]