Mitarbeiterbindung oder Mitarbeiterloyalität (Teil 5)? Warum Loyalität gerade heutzutage immer wichtiger wird

MitarbeiterloyalitätFür Mitarbeiter war es noch nie so einfach wie heute, einen Überblick über das Angebot auf dem Arbeitsmarkt zu gewinnen. Früher war man auf den Stellenmarkt der Zeitungen und Zeitschriften angewiesen, heute sucht man ganz einfach im Web. Vor allem die hoch qualifizierten Leistungsträger werden heftig umworben, und sie sind ruckzuck absprungbereit, wenn ihnen etwas nicht passt.

Sich für einen scheidenden Mitarbeiter bei Bedarf einen neuen zu „kaufen“ oder – wie bei einer Maschine – einen verschlissenen durch einen unverbrauchten Leistungsträger auszutauschen: Die meisten Firmen können sich solchen „Luxus“ schon längst nicht mehr leisten. Seine Mitarbeiter als reine Ausführungsgehilfen zu sehen und bis zum Burnout auszubrennen, auch das geht künftig nicht mehr.

Der beschleunigte Wandel und die zunehmende Komplexität stellen die Arbeitgeber vor ganz neue Herausforderungen. Loyalität und ihre kleinen großen Schwestern, die Reputation und das Vertrauen, sind der Klebstoff, der alles zusammenhält.

Mitarbeiterloyalität ist notwendiger als jemals zuvor

Loyale Mitarbeiter sind viel eher bereit, die vom Markt geforderten laufend notwendigen Veränderungsprozesse mitzutragen. Gerade bei kollaborativen Arbeitsverhältnissen geht es um eine innere Verpflichtung, also um Loyalität.

Projektteams, die sich ständig neu formieren, benötigen Loyalität von Anfang an. Sie muss quasi aus dem Stand gelingen. Vor allem für das zunehmend virtuelle Miteinanderarbeiten braucht es eine loyalitätsbasierte Vertrauenskultur. Und es braucht Mitarbeiterpersönlichkeiten, die Loyalitätsintegrität in sich tragen.

Loyalität wird auch deshalb in den Unternehmen so dringend gebraucht, weil Netzwerkstrukturen mehr und mehr die einst linearen Anweisungsszenarien ersetzen. Und für die Sinnsucher unter den Arbeitnehmern ist Loyalität unumgänglich.

Die wichtigsten Vorteile einer hohen Mitarbeiterloyalität

Mitarbeiter- und Kundenloyalität hängen eng zusammen. Sie stärken oder schwächen einander. Mitarbeiterloyalität ist dabei die Vorbedingung. Sie hat folgende weitere Vorteile:

• Arbeitswille, Engagement, Effizienz und Produktivität steigen.
• Die Lern- und Weiterbildungsbereitschaft wächst.
• Es wird mehr Verantwortung übernommen.
• Mehr Ideen und Verbesserungsvorschläge werden eingebracht.
• Eine Vertrauenskultur kann entstehen.
• Es gibt positive Gespräche sowie Mundpropaganda drinnen und draußen.
• Der Arbeitgeber wird weiterempfohlen.

Eine niedrige Fluktuation wirkt sich vor allem in kundennahen Bereichen loyalitätsförderlich aus. Zu manch austauschbarem Dienstleister geht man ja nur wegen dieses einen freundlichen Ansprechpartners, der einen schon so lange kennt. Dementsprechend nehmen Verkäufer gerne ihre Kunden mit, wenn sie das Unternehmen wechseln.

Neue Kunden wird man schwerlich zu Stammkunden machen, wenn diese immer nur auf Anfänger treffen. Langjährige, gut geschulte Mitarbeiter verstehen es viel besser, Kunden zu loyalisieren. Und Kunden, die immer wiederkommen, bestätigen den Mitarbeitern, im richtigen Unternehmen zu sein.

Und schließlich weigern sich immer mehr Kunden gezielt, bei einem Unternehmen zu kaufen, das seine Mitarbeiter schlecht behandelt oder mit miesen Arbeitsbedingungen „glänzt“.

Loyalität ist ein Tauschgeschäft wie Geben und Nehmen

Wenn es immer schwerer wird, neue gute Mitarbeiter zu finden, dann heißt es, sich stärker auf die zu konzentrieren, die man schon hat. Doch leider liegt da eine Menge im Argen. Während vorne die Recruiter ihr Möglichstes tun, um Kandidaten anderswo loszueisen, laufen einem hinten die eigenen Leute weg.

„Warum sollte ich mich loyal verhalten“, fragen sich die, „wenn ich von meiner Firma keine Loyalität erwarten kann?“ Ja, Unternehmen müssen loyalitätswürdig sein. Dies sind sie aber nur dann, wenn sie Loyalitätswerte gegenüber Mitarbeitern und Kooperationspartnern leben. Tun sie das nicht, haben sie auch kein Recht, deren Loyalität einzufordern.

Viele Unternehmen haben die Loyalität ihrer Mitarbeiter systematisch verspielt. Und immer dann, wenn es der Wirtschaft besser geht, bekommen sie die Quittung: Alte Rechnungen werden beglichen. Die unzufriedenen, frustrierten und enttäuschten besten Mitarbeiter wandern in Scharen ab.

Loyalität beginnt bei der Führungsspitze und in der Unternehmenskultur

Wie sollen Mitarbeiter, die nicht (länger) daran glauben können, dass ihre Firma vollstes Engagement verdient, volles Engagement für die Kunden bringen? Können „kleine“ Angestellte überhaupt Loyalität entwickeln, wenn sich ihre Chefs in Positionskämpfen öffentlich demontieren? Oder Besitzstandswahrung vor dem Wohl der Firma steht?

Kann ein Mitarbeiter überhaupt noch Loyalität schenken, wenn er selbst schon einmal, zweimal, dreimal vom Unternehmen enttäuscht worden ist? Wer also Loyalität will, muss diese – beim Topmanagement beginnend – aktiv leben, fördern und fordern. Von dort muss der Loyalitätsfunke auf alle in der Firma überspringen. Denn Mitarbeitende orientieren sich an der Führungsspitze.

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1 comment to Mitarbeiterbindung oder Mitarbeiterloyalität (Teil 5)? Warum Loyalität gerade heutzutage immer wichtiger wird

  • Spannender Artikel, liebe Frau Schüller! Vielen Dank für die Einsichten, die Sie hier teilen.

    Gerade die Vorteile, die aus einer gesunden Mitarbeiterloyalität hervorgehen, sind für Unternehmen, die heutzutage mithalten wollen, entscheidend. Leider sehen das immernoch die wenigsten Firmenlenker ein.

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