Loyalität im Spannungsfeld von Gewinn und Gutmenschentum

Nach Lektüre des Competence Report der Competence Site letzten Sonntag habe ich mich sehr über das Editorial empört: Wie man bloß Gewinn und Gutmenschentum als Gegensatz formulieren kann! Und dass manche das Gutmenschentum immer noch/schon wieder an den Pranger stellen! So wurde ich eingeladen, meine Gedanken dazu mal in einen Beitrag zu fassen. Und der wurde heute gleich als Aufmacher präsentiert.

„Gerade in der neuen zunehmend digitalen Economy wird die globale Transparenz (nicht nur durch Social) den vermeintlichen Gegensatz aufheben, so wie es Frau Schüller in ihrer „Gegen“-Darstellung richtig darstellt. Sie zeigt auf: Real New Economy erfordert mehr soziale = oft weibliche Intelligenz“, schreibt Netskill-Vorstand Dr. Winfried Felser dazu. Das klingt gut.

Und hier der Wortlaut meines Beitrags:

Loyalität im Spannungsfeld von Gewinn und Gutmenschentum

Das größte Vermögen eines Unternehmens ist die Loyalität seiner Kunden. Loyalität ist freiwillige Treue – und die muss ein Unternehmen sich immer wieder neu verdienen. Loyalitätsmarketing ist sozusagen der Marathon, wohingegen Manager meist an Kurzstreckensprits gemessen werden. Loyalitätsmarketing hat auch viel mit Menschlichkeit zu tun, wohingegen in den Top-Teppichetagen (nur) harte Fakten zählen. Kennzahlen für Gutmenschentum gibt es dort nicht.

Doch die Zeiten ändern sich gerade. In unserer durch Social Media geprägten neuen Businesswelt können Unternehmen nur noch dann überleben, wenn die vernetzten Menschen sie lieben. Nicht nur das Zahlenwerk, auch die moralische Bilanz muss zukünftig stimmen. Denn das Web ist wie eine gigantische, öffentliche Podiumsdiskussion.

Vorbildliches wird dort vergnüglich gefeiert und Gutes kräftig gelobt, Übles hingegen herbe bestraft. Früher geschah das im kleinen Kreis, heute kommt Fehlverhalten vor der ganzen Welt an den Pranger. Man wird geteert, gefedert und so auf dem Markplatz Internet vorgeführt. Und Unternehmen, die sich zum Nachteil der Gemeinschaft mästen, werden gnadenlos ausgesondert.

Aus der ‚Weisheit der Vielen‘(James Surowiecki) ist eine ‚Macht der Vielen‘ und aus der ‚Weisheit der Freunde‘ (Dan Rose) eine weltumspannende ‚Macht der Freunde‘ geworden. An dieser neuen Konstellation kommt inzwischen kein einziges Unternehmen mehr vorbei. Doch täglich neue Skandale zeigen: Die Großen und Mächtigen haben es immer noch nicht kapiert.

In viel zu vielen Unternehmen agiert man immer noch wie anno dazumal: Man wähnt sich auf einem Schlachtfeld der Wirtschaft, wo auch schon mal Blut fließen darf. Gutmenschen werden als Weicheier milde belächelt, auf den Spielplätzen der Macht geht es schließlich um Niederlage und Sieg. Und gerne auch um Maximalrenditen – selbst wenn man dafür krumme Touren gehen muss.

Nur: Mauscheln in Hinterzimmern lässt man heute besser sein. Denn Irgendeiner guckt immer durchs Schlüsselloch. Und er erzählt der ganzen Welt, was er dort sieht. Die Tage der harten Jungs sind also gezählt. Der ewige Männertraum von Eroberung und Unterwerfung funktioniert nicht mehr. Kooperation statt Konfrontation ist angesagt.

Die gute Nachricht nun: Gute Renditen und Gutmenschentum, das ist doch gar kein Gegensatz! Man kann auch erfolgreich sein, ohne zu zerstören. Man kann sogar kräftige Gewinne erzielen und gleichzeitig die Welt ein wenig verbessern. Den Unternehmen, die solche Werte leben, wird ein Großteil der Kunden die Treue halten. Und es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass beides gut miteinander vereinbar ist.

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