Kommunikationsengel der Woche: Die Schweizer Polizei, Hervé und die Schweizer Bundesbahn

Manche Aktivitäten enden nicht so toll, wie sie begannen – und sind dann doch erträglich, weil Kommunikationsengel einem hilfreich zur Seite stehen. So auch in diesem Fall: Nach einem tollen Kundenevent in Lausanne hatte ich mich kurzerhand entschlossen, ein paar Tage Auszeit dranzuhängen. Der Genfer See, der Paléo in Nyon mit Sting & Co, das Schmuckstück Yvoire am französischen Ufer und lange Spaziergänge in den Weinbergen von Lavaux: Was will man mehr.

Auf der Rückfahrt wird mir im Zug im Genfer Hauptbahnhof von Trickbetrügern die Handtasche geklaut (Achtung: Sowas passiert anscheinend öfter!). Ich habs fast sofort gemerkt und dem Zugführer, der draußen stand, zugerufen. Der sprintet den beiden jungen Männern hinterher, die Rampe herunter, durch die Halle bis zum Ausgang auf die Straße. „Haltet den Dieb“, hat er (auf Französisch) gerufen, doch leider hat das niemand getan (Wann ändert sich sowas endlich mal?). Ohne Handtasche kam er zurück. Alles war weg: Geld, Plastikkarten, Pass, Führerschein, iPhone, Flugticket, Autoschlüssel, Haustürschlüssel, Schmuck und vieles mehr. Eine Frau trägt ja ihr halbes Leben mit sich herum. Ich hatte keinen Cent mehr dabei – und musste dringend nach München zurück. Da hat mir der Zugführer erst mal 30 Euro geschenkt (!).

Am Genfer Flughafen angekommen bin ich gleich zur Polizei. Aufmerksam und mitfühlend wurde ich in Empfang genommen. Anstatt bürokratisch lang und breit alles aufzunehmen, ging der junge Polizist als erstes mit mir zum Lufthansa-Schalter, damit ich überhaupt abfliegen konnte. Es blieb knapp eine Stunde Zeit bis zum Start der Maschine. Zurück auf der Wache hat er ruckzuck die notwendigen Formalitäten erledigt. Dann hat er mich mit meinem Kreditkartenanbieter telefonieren lassen. Das Warten in deren Warteschleife hat übrigens von allem am längsten gedauert. Irgendwie hatte ich dann plötzlich die Eingebung, mein Handy mal anzurufen.

Am anderen Ende meldet sich – die Polizei. Ein Mann namens Hervé hatte die Tasche gefunden und sofort zur Polizei gebracht – ein kleines Wunder für sich. Nur die Geldbörse fehlte. Und nun stelle man sich das mal vor: Die Polizei hat die Tasche (wahrscheinlich mit Blaulicht, so schnell, wie das ging) zum Flughafen gefahren. Währenddessen hat mein Polizist mich durch die Kontrolle geschleust und bis zum Gate eskortiert, damit auch wirklich alles klappt. Dort war Taschenübergabe und ich habe den Flug noch erwischt. Tausend Dank. Die Schweizer Polizei – wirklich ein Freund und Helfer.

Nachtrag 1: Gerade rief mich die Genfer Polizei an. Auch mein Portemonnaie ist wieder da. Es wurde anonym vor eine Polizeistation abgelegt – und wird nun zur Fundstelle der Genfer Behörden weitergeleitet. Das alles ist doch wie ein kleines Wunder, oder?

Nachtrag 2 und Happy End: Das Portemonnaie ist wieder da, es fehlt tatsächlich nur das Geld. Und auch hier hat mir ein Kommunikationsengel geholfen. Denn es ist in Genf wohl so, dass man da 120 CHF in bar einzahlen muss, damit die einem das Gut dann per TNT schicken. Teuer, oder? Und dann in bar? Haben die denn kein Bankonto zwecks einfacher Überweisung? Nein, haben die nicht!

Und warum nicht? Weil für so eine kleine Behördestelle ein Konto zu teuer sei, erklärt mir der Beamte, selbst ganz unglücklich über ein solch bürokratisches Prozedere. Er hat mir dann aber persönlich und unkomliziert einen Lösungsweg aufgezeigt, damit es auch ohne Bareinzahlung klappt. DANKE. Wie, verrate ich hier allerdings nicht, damit er nicht am Ende noch eine Dienstaufsichtsbeschwerde bekommt.

Summa summarum: Wieder mal zeigt sich: Die Menschlichkeit und das Wollen der Mitarbeiter machen den Unterschied.

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2 comments to Kommunikationsengel der Woche: Die Schweizer Polizei, Hervé und die Schweizer Bundesbahn

  • Das hört sich wirklich an wie ein Traum – für so ein Erlebnis wünscht man sich ja beinahe beklaut zu werden (Wobei mir der emotionale Stress einer derartigen Situation bewusst ist).
    Für mich sind diese Erlebnisse wunderbare Beispiele, wie man sich in die Situation seiner Gäste/Kunden einfühlen und letztendlich Verblüffung bzw. Begeisterung auslösen kann – einfach fantastisch!

  • Nicole Bertsch

    Wow! Ich bin über den Link bei Roger Tinner auf den Kommentar gekommen, weil ich neugierig geworden bin. Ist ja toll, was da gemacht worden ist für Sie! Sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber leider (noch) nicht….

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