Ja, neue Leitbilder sind dringend vonnöten

Digitale Technologien, mutige neue Anbieter und ihre frischen Ideen treiben den Markt mit atemberaubender Geschwindigkeit voran. Damit die etablierten Unternehmen nun nicht den Anschluss verlieren, müssen dort zuallererst die internen Sperren gelockert und die Bremsklötze weggeräumt werden. Hierbei fängt man am besten mit dem Leitbild an.

Aus dem letzten Jahrhundert

Es ist kaum zu glauben: Die Leitbilder und Mission Statements, mit denen sich die herkömmlichen Unternehmen so gerne schmücken, sind vornehmlich aus dem letzten Jahrhundert – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ihre phrasenhaft-geschönten Formulierungen, an die sich eh keiner hält, atmen immer noch den von Allmachtsphantasien getränkten Geist der Shareholder-Value-Zeit.

Das klingt zum Beispiel so: Wir sind der führende Anbieter von … . Oder: Wir sind anerkannter Marktführer in … . Mal ehrlich: Sowas wirkt reichlich selbstverliebt. Und oft recht martialisch.

In unserer Netzwerkgesellschaft hingegen rücken Partizipation und Menschlichkeit statt Machtgelüsten und Kampfansagen nach vorn. Also muss es auch in den Leitbildern ‚social‘ werden.

Mein Lieblingsbeispiel

Mein Lieblingsleitbild ist von Intuit, einem Hersteller von Finanzsoftware, und das geht so: „Der Kunde soll sich mit unseren Produkten derart wohl fühlen, dass er fünf Freunden sagt, sie sollten es ebenfalls kaufen.“

Das tönt sicher nicht so glattgebürstet wie die gestelzte Leitbild-Prosa mancher Big Player am Markt, die verlogen ist und mit der niemand was anfangen kann.

Nie ist es ausreichend, ein visionäres Ziel zu haben, die Mitarbeiter müssen es auch erstrebenswert finden. Erst dann kommen sie vom ‚Müssen‘ ins ‚Wollen‘. Und nur im ‚Wollen‘ steckt die Art von Kreativität, die der Kunde heute mit Geldschein-Stimmzetteln belohnt.

Customer first!

Überkommene Wir-sind-die-Größten-Leitbilder müssen deshalb neu gedacht und neu erarbeitet werden. Anstatt die eigene Herrlichkeit zu feiern oder sich aufs Marktführer-Podest zu wünschen, sollte es vorrangige Unternehmensmission sein, den Kunden (und deren Kunden) zu helfen, noch erfolgreicher zu werden.

Und das sollte dann auch im Leitbild stehen. Und wie wird sowas heutzutage gemacht? Natürlich mithilfe der Mitarbeiter, und – das ist neu – mithilfe der Kunden. Mithilfe der Kunden? Ja, klar!

Die Kunden involvieren

Wenn Kunden-Involvement für die unternehmerische Zukunft unumgänglich ist, dann sollten die Kunden auch zu Inhalt und Ausrichtung des Leitbildes Stellung beziehen! Die Social-Media-Welt bietet alle erdenklichen Möglichkeiten, ein solches Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Und wenn es sich aus welchen Gründen auch immer verbietet, den Kunden in diesen Prozess einzubeziehen? Dann sollte er wenigstens ein virtueller Projekt-Teilnehmer sein.

Dabei stehen folgende Fragen im Raum:

  • Stellen Sie sich vor, Sie wären der Kunde! Was würde Ihnen auf den Lippen brennen?
  • Welche kritischen Anmerkungen hätten Sie? Und welche Anregungen?
  • Was müsste weg? Und was sollte zwingend ergänzt werden?
  • Wie könnte man es so machen, dass es die Menschen lieben?
  • Und wie könnte es gehen, das alle im Markt drüber redet?
  • Ganz am Anfang könnte auch folgende Frage stehen: „Wer wollen wir für unsere Kunden sein?“ Und dann beginnt das neue Leitbild wie folgt:“ Für unsere Kunden wollen wir … .“ Damit stünde dann endlich auch der Kunde an erster Stelle.

    Ein kompletter Beitrag zum Thema wurde übrigens vor ein paar Tagen auf dem Querdenker-Portal innovativ-in veröffentlicht.

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