- Touchpoint Blog Anne M. Schüller - http://blog.anneschueller.de -

Gendermanagement (3/3): Mixed Leadership braucht keine Quote, in einer Netzwerkökonomie ist sie ein ‚Muss‘

Macht an sich ist weder gut noch böse, es kommt immer darauf an, was man aus ihr macht.

So finden in jeder Führungsriege Machtkämpfe statt. Das Thema hat viele Facetten und kennt traurige Geschichten. Hinderliche Intrigen und peinliches Schaulaufen, maßloses Geltungsbedürfnis, Kadavergehorsam, Statusgerangel und Positionen-Geschacher haben dabei in erster Linie Ego-Intentionen – und nicht das Allgemeinwohl – zum Ziel.

Den alten Oberlöwen stehen bei all dem die größten Brocken zu. Auf ihr Kommando folgt die Meute der Mitläufer nahezu blind. Hochstatus weist an, ohne zu fragen. Niederstatus hört zu, ohne etwas zu sagen. Und wenn doch, dann sind solche Hinweise irrelevant. Gefährlich in diesen Tagen!

Win-lose oder Win-win?

Ein einziger mieser Charakter in einer Top-Position kann die Kultur eines ganzen Unternehmens verseuchen – und dessen Erfolg ruinieren. Denn alle orientieren sich an der Führungsspitze. Und die Mitarbeiter achten in einem solchen Szenario nur noch darauf, dem Chef zu gefallen. Der Kunde steht dann hinten an.

Multis, Konzerne und Dax-Unternehmen, in denen es große Territorien und viel öffentliches Ansehen zu verteidigen gilt, sind von solchen Phänomen zwangsläufig besonders betroffen. Und die Regeln werden immer von der Mehrheit gemacht. Doch männliche Hirne sind vornehmlich auf Wettkampf und damit auf Win-Lose-Konzepte (Besiegen!) getrimmt, die meisten weiblichen Hirne hingegen bevorzugen Konsens und Win-Win.

Die Waffe Testosteron

Siege kurbeln die Testosteron-Produktion an. Und Testosteron schaukelt hoch. So überschreitet man/Mann zulässige Grenzen, um sich Vorteile zu sichern und nicht ins Abseits zu geraten. Der Buchautor Dieter Otten fand im Rahmen einer Studie heraus, dass rund ein Drittel der erwachsenen Männer in Deutschland es billigen, moralisch verwerfliche oder kriminelle Akte zu begehen.

Und laut einer kürzlichen Untersuchung der Duke University in North Carolina sind vier von fünf Managern bereit, Unternehmenswerte zu zerstören, um kurzfristige Ziele zu erreichen. Ergo: Es wird putzmunter gefoult, solange es kein Abpfeifen gibt.

Machtrausch ist eine große Gefahr

Zwar kann Testosteron ein wunderbarer Antreiber sein, es sorgt für Genius, Wachstum und Fortschritt, und es bringt uns auch mächtig voran. Doch in den falschen Hirnen ist es ein Teufelszeug. Testosteron liebt das Risiko, befeuert Eskalation und fabriziert den so gefürchteten Machtrausch, der nicht selten despotisch endet.

In Summe verbreiten Testosteronbomben am Ende ein tödliches Gift. Das ist längt bekannt. Doch ändert sich was? „Männer wollen Schlachten wiederholen, in denen sie siegreich waren“, hat die Literaturprofessorin Gertrud Höhler in ‚Das Ende der Schonzeit‘ geschrieben. Und auch dies: „Männer wollen nicht ertappt werden bei Einsichten, die sie Frauen verdanken.“ Frauenarbeit wird zwar von Männern geschätzt, aber nicht gewürdigt.

Mixed Leadership ist heute ein Muss

Auch wenn das eine oder andere jetzt nicht gerade freundlich klang: Es zahlt sich aus, diese Thematik einmal intensiv zu durchleuchten. Denn Wissen erzeugt Wahlmöglichkeiten. Was indes bei meiner Betrachtung vor allem in Erinnerung bleiben soll: Männliches und weibliches Tun ist nicht besser oder schlechter, sondern hirnbedingt anders.

Das jeweils passende Talent an der richtigen Stelle einzusetzen, das ist die hohe Kunst des Führens. Und ganz ohne Zweifel gilt: Nur wenn Männer und Frauen ihr Bestes in die wirtschaftliche Entwicklung einpowern können, ist die Zukunft zu schaffen. Mixed Leadership braucht keine Quote, sie ist ein Muss!

Mehr Frauen in Top-Positionen können den Unternehmen helfen, die Herausforderungen unserer neuen Businesswelt zu meistern. Das Web 1.0 war definitiv männlich, ja, aber das Prinzip unserer socialmediabasierten Web 2.0-Welt ist eher weiblicher Natur.

In der Web 1.0.-Welt galt die hart durchgreifende, gefürchtete und bisweilen skrupellose Führungskraft als die bessere Wahl. Doch ihr radikales Vorgehen führte am Ende meist nur zu kurzfristigen (Schein-)Siegen – und das nicht selten auf Kosten Dritter.

In der Netzwerkökonomie werden Beziehungsarchitekten gebraucht

Um in unserer immer stärker vernetzten Zukunft Bestresultate auf Dauer zu sichern, sind vor allem Beziehungsarchitekten vonnöten. Männliche Monokulturen sind dafür zu hart. Macht- und respektvolles Vorgehen zu paaren, diese Kombination birgt wohl die größten Erfolgsaussichten.

Soziale Kompetenzen, Kooperationswille und Kommunikationsfähigkeit sind hierbei gefragt. Wir brauchen Freunde und nicht Feinde in einer sich zunehmend vernetzenden Welt. Weibliches Können ist dazu bestens geeignet. Doch dafür müssen die ‚Spielregeln der Macht‘ überdacht und angepasst werden. Denn Frauen sind (sich) viel zu schade, um im ‚Menschenschach‘ verheizt zu werden.

Vor allem aber: Sie machen es nicht um den Preis von 70-Stundenwochen, Burnout, Mobbing und schlechter(er) Bezahlung. Von daher gilt es nun, für alle Frauen im Unternehmen die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie im Kern ihrer Talente arbeiten und Top-Positionen einnehmen können.

Den kompletten Beitrag zum Thema finden Sie übrigens hier. [1]

[2] [3] [4]