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Gastbeitrag von Arno Fischbacher: Touchvoice – Mit der Stimme berühren

„Tiefe Stimme macht Männer erfolgreich“, titelte eine kürzliche Pressemeldung [1]. Und auch Frauen können erfolgreicher sein, wenn ihre Stimme nicht so piepsig klingt. Denn hohe Stimmen signalisieren Unsicherheit – und damit auch Hilfsbedürftigkeit. Stimme sorgt eben für Stimmung.

Deshalb habe ich meinen Kollegen Arno Fischbacher [2] geben, uns hier ein wenig mehr dazu zu sagen. Arno ist Experte für die unbewusste Macht der Stimme in Kundenservice, Führung und Vertrieb. Er bereitet Führungskräfte und Mitarbeiter der Top-Unternehmen in Deutschland und Österreich auf Gespräche, Präsentationen und Medienauftritte vor.

„Der Ton macht die Musik. Auch in unserer neuen Businesswelt, in der E-Mails und Internet einen hohen Stellenwert haben, werden wesentliche Geschäftsentscheidungen immer noch auf Grund von Gesprächen und persönlicher Auseinandersetzung getroffen. Die Stimme hat oft „das letzte Wort“. Sie lässt einerseits Konflikte eskalieren und andererseits großes Vertrauen entstehen. Die Stimme ist ein Schlüsselreiz in der Kommunikation und ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Sie sorgt machtvoll, aber unbewusst für Faszination, Sympathie und Durchsetzungsvermögen. Mit Stimme nehmen wir Kontakt auf, gehen auf Tuchfühlung und wecken Emotionen. Somit birgt die Stimme vor allem im Job ein hohes ungenutztes wirtschaftliches Potential, dass Erfolg und Umsatz bedeuten kann.

Berührungspunkt Stimme

Die Stimme als Touchpoint ist ein realer Berührungspunkt, der Kontakt schafft und uns in Tuchfühlung zu anderen treten lässt: Sie weckt Emotionen und schafft Verbindung. Sie bestimmt machtvoll, wie Sie von Ihrem Gegenüber wahrgenommen werden. Sie lässt hören, ob Sie meinen, was Sie sagen. Sie verrät in Sekundenbruchteilen, wie viel Führungskraft bzw. Verkäufer in Ihnen steckt und wie Sie gewohnt sind, mit Menschen umzugehen.

Eine wohlklingende Stimme entscheidet häufig über Erfolg oder Misserfolg. Ein Mensch mit einer guten Stimme strahlt Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen aus: Werte, die bei Führungsaufgaben oder im Kundenkontakt von höchster Bedeutung sind. Heute kann keine Branche mehr behaupten, die Qualität der Kommunikation mit dem Kunden oder der Ton im Unternehmen selbst wären ohne Bedeutung, Hauptsache das Produkt stimmt.

Entscheidende Faktoren für eine wirkungsvolle Stimme

1. Empathie: Eine der wesentlichsten Qualitäten der Stimme ist die Empathie. Also: Wie nahbar klingt das Gesagte? In welchem Ausmaß signalisieren Verkäufer Zuhörbereitschaft und Partnerschaftlichkeit während des Sprechens? Das Gegenteil der empathischen Stimme ist ein Überhang an Dominanz beim Sprechen, ein Befehlston, eine Stimme, die eine klare Hierarchie signalisiert. Unter dem Motto: Ich sage Dir, was ist, und Du hörst zu.

2. Eigenton: Eine zweite wesentliche Qualität der Stimme ist der Eigenton: Vermittelt mir die Stimme Vertrauen und Sicherheit? Diesen Eigenton hören wir, wenn jemand stressfrei ist; physiologisch gesehen: wenn die Muskeln, die an der Stimmproduktion beteiligt sind – insbesondere im Kehlkopf – keine Fehlspannungen aufweisen. Können die Stimmlippen frei schwingen, so klingt unsere Stimme entspannt, gelöst, voll, in sich ruhend. Das Gegenteil ist hörbare Stressspannung, die z.B. durch Zeitmangel entstehen kann.

3. Tragfähigkeit: Als generell wesentliche Stimmqualität ist noch die Tragfähigkeit hervorzuheben. Sie signalisiert Lebensenergie und Spannkraft. Das Gegenteil dazu ist eine brüchige bzw. raue oder müde Stimme. Viele Menschen wollen raumfüllend sprechen können. Dabei geht es ihnen vorrangig darum, in Meetings oder bei Vorträgen Inhalte gut zu transportieren.

Praxistipps: So prägt die Stimme Persönlichkeit und Unternehmensimage

So wie die Stimme eines Menschen auf seine Persönlichkeit schließen lässt, so prägen auch die Stimmen Ihrer Mitarbeiter das Image des Unternehmens. Der erste reale Kontakt zwischen Kunde und Mitarbeiter läuft schließlich über die Stimme. Überprüfen Sie daher immer wieder Tonfall, Artikulation und Sprachstil der Mitarbeiter sowie das Image, das die Firma damit nach außen trägt:

Telefonkontakt an der Rezeption oder am Empfang: Hat Ihr Kunde in den entscheidenden ersten Sekunden des Kontakts das Gefühl, authentisch persönlich angesprochen zu sein?

Telefon-Warteschleifen: Wird die spezielle Atmosphäre des Unternehmens in den Stimmen erlebbar?

Internetvideos: Werden die Betrachter sympathisch und unaufdringlich von Schauplatz zu Schauplatz geführt?

Anrufbeantworter-Ansagen: Klingt das unpersönlich und aufgesagt – oder lädt es zum Sprechen (und vielleicht sogar zum Bestellen oder Buchen) ein?

Teammeetings und Besprechungen: Vermitteln Führungskräfte die Leitbilder des Unternehmens auch durch die Art, wie sie sprechen?

Präsentationen und Vorträge: Repräsentieren Sie und Ihre Führungskräfte das Unternehmen durch spannend und motivierend vorgetragene Informationen?“

Und zum Schluss hier noch ein berühmtes Zitat vonn George Bernard Shaw: „Im richtigen Ton kann man alles sagen, im falschen nichts. Das einzig Heikle daran ist, den richtigen zu finden!“

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