Gastbeitrag von Andrea Och über Macht, die Spielregeln in Meetings und was vor allem Frauen dabei beachten sollten

LustaufMachtIn meinem letzten Blogbeitrag ging es darum, wie man Meetings positiver und damit auch effizienter gestaltet. Nun habe ich Andrea Och gebeten, für meine Leser etwas über die ungeschriebenen Spielregeln in Meetings zu schreiben. Ich war bis zu meiner Selbständigkeit selbst eine ‚Betroffene‘ und hätte mir vieles leichter machen können, hätte ich das alles damals schon gewusst.

Machtpoker Sitzung

„Sie sind überzeugt, beim Ablauf von Meetings und Sitzungen herrschen demokratische Bedingungen? Pech gehabt, denn Sitzungen sind meist nichts anderes als knallharte Pokerpartien. Der Gewinn: Macht, Ressourcen und Zuständigkeiten! Und natürlich werden wichtige Entscheidungen viel früher getroffen!

Sie wollen die Spielregeln lernen?

Beobachten Sie, wer den Anspruch auf Führung erhebt:

  • Wer betritt kraftvoll und laut den Raum?
  • Wer kommt zu spät, weil er etwas Wichtigeres vorhatte?
  • Muss ein Teilnehmer noch mal eben schnell telefonieren?
  • Wer nimmt sich viel Platz am Tisch?
  • Wer nimmt wo Platz?
  • Wer sitzt entspannt zurückgelehnt?
  • Wer begrüßt wen?
  • Wer fasst wen an?
  • Über was unterhalten sich die Sitzungsteilnehmer vor der Sitzung? Wer führt hier die Reden an?
    Gibt es frotzelnde Bemerkungen von einer Seite? Wird darauf reagiert oder laufen diese ins Leere?
    Welche Statussymbole kommen zum Vorschein und werden aktiv präsentiert?

    Do’s und dont’s für Frauen

    Reichen Sie in internen Runden keine Getränke und schreiben Sie keinesfalls freiwillig das Protokoll, wenn Sie Ihren Einfluss ausbauen wollen! Damit degradieren Sie sich selbst! In männerlastigen Runden wird erst die Rangordnung geklärt. Für inhaltliche Vorschläge hat zu diesem Zeitpunkt niemand die Aufmerksamkeit.

    Spielen Sie besser mit, um Ihre eigene Machtposition auszubauen. Wenn Sie nicht selbst die Führung haben und sich in einem männlichen Umfeld bewegen, warten Sie ab, bevor Sie Ihren Vorschlag unterbreiten. Richten Sie diesen ausschließlich an die mächtigste Person am Tisch. Wenn diese Ihnen zuhört, hören Ihnen automatisch alle anderen zu.

    Männliche Kommunikationsregeln zu verstehen, wenn wir in einer männlich geprägten Arbeitswelt bestehen wollen, ist eine Grundvoraussetzung für das Spiel um Macht.

    So erweitern Sie Ihren Einfluss:

  • Kommunizieren Sie auf Augenhöhe mit Ihren Gesprächspartnern: Werden Sie konkret. Treffen Sie Ich-Aussagen. Wenn Sie Anweisungen erteilen, sagen Sie klar und deutlich, was Sie wünschen.
  • Schluss mit allen Weichmachern: „man sollte, man könnte“, „vielleicht“, „eigentlich“.
  • Keine Belehrungen, Schuldzuweisungen, gar persönliche Attacken. Sie provozieren damit einen Konflikt.
  • Lassen Sie sich nicht von anderen unterbrechen (außer es ist Ihr Vorgesetzter)
  • Sollte Sie jemand anfassen, fassen Sie den anderen ebenfalls an.
  • Wenn Sie Forderungen stellen, entschuldigen Sie sich niemals dafür! Eine Entschuldigung zeigt Ihrem Gegenüber, dass Ihre Forderung unberechtigt ist. Halten Sie die Forderung kurz, knapp und präzise.
  • Kein Lächelreflex, wenn es nichts zu lächeln gibt! Ihre Mimik sollte grundsätzlich Ihre Aussagen unterstützen. Andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihr Gegenüber dies als Einladung zu einem kleinen Machtspielchen werten wird und prüft, wie weit er gehen kann.
  • Kopf gerade, Schultern zurück, Hände unterhalb Ihres Brustkorbes!
  • Beanspruchen Sie Raum für sich am Tisch, in Präsentationen, Besprechungen, etc… Je größer Ihr Territorium, desto mehr Macht nehmen Sie sich.
  • So wehren Angriffe elegant ab:

  • Sollten Sie angegriffen werden: erst einmal durchatmen und stopp! Bevor Sie reagieren, sollten Sie überlegen, was der Angriff bedeutet. Erst dann können sie beurteilen, ob der Angriff abgewehrt, besser vertagt oder eine andere Lösung gefunden werden kann.
  • Tappen Sie nicht in die Falle, sich zu verteidigen oder zu beschweren. Damit schwächen Sie Ihre Position sofort unmissverständlich.
  • Bleiben Sie höflich und freundlich, besonders wenn andere unhöflich werden. Sie beweisen damit Souveränität.
  • Sie werden auf gleicher oder niedrigerer Ebene unfair attackiert? Dann müssen Sie sich wehren, um Ihre Machtbasis zu verteidigen. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Ihr Kontrahent das Gesicht wahren kann. Humor bietet viele Notausgänge!
  • Betonen Sie gerade in diesen Situationen Gemeinsamkeiten. Egal, wie klein diese auch sein mögen.
  • Triumphieren Sie grundsätzlich nicht über andere, auch wenn Sie als Sieger das Feld verlassen!
  • Helfen Sie anderen, die Antwort auf eine für Sie elementare Frage selbst zu entdecken. Aktuelle Ergebnisse aus der Verhaltensforschung belegen eindeutig, dass jeder Mensch den Wert von Ergebnissen, an denen er selbst mitgewirkt hat, deutlich höher bemisst, als wenn er daran nicht beteiligt war.
  • Wenn Sie trotz dieser Verhaltensweisen weiterhin in einer Sitzung unfair attackiert werden, zügeln Sie Ihre Emotionen! Satt sich zutiefst beleidigt zu fühlen, können Sie sich geschmeichelt fühlen. Denn Angriffe sind Komplimente! Unwichtige Menschen werden ignoriert!
  • Wie man auf Angriffe reagiert:

    Reagieren Sie auf Angriffe nicht mit der Thematisierung des Angriffs oder mit sachlichen Argumenten. Angriffe auf Ihre Machtposition erfolgen in der Regel auf der Beziehungsebene mit einer flapsigen Bemerkung. Um diese effektiv abzuwehren und Ihre Machtbasis dadurch nicht nur zu verteidigen, sondern diese sogar zu erweitern, können sie nur auf der Beziehungsebene kontern. Niemals auf der Inhaltlichen Ebene!

    Sollte echte Härte notwendig sein, so ist Körpersprache die machtvollste Waffe. Wenn möglich, stehen Sie auf. Ihr Kontrahent muss dann zu Ihnen aufblicken. Verringern Sie den Abstand zu ihm. Er wird dann immer „kleiner“. Blicken Sie ihn ernst an und sagen Sie nichts. Halten Sie die Pause aus.

    Er wird das verstehen und normalerweise respektieren. Ihr Signal: Sie lassen nicht mit sich spielen. Erst wenn Sie Ihren Führungsanspruch erfolgreich verteidigt haben, können Sie wieder auf die sachliche Ebene zurückkommen.

    Aber Vorsicht. Wenden Sie dieses Mittel nur im Notfall an. Ein kurzfristiger Sieg kann einen langfristigen Feind hervorbringen, der Ihnen möglicherweise das Leben schwer macht. Überlegen Sie sich vorher, ob dies für Sie sinnvoll ist! Und spielen Sie diese Spiele niemals, wirklich niemals, mit Vorgesetzten!“

    Andrea Och ist Unternehmerberaterin, Expertin für Corporate & Personal Branding und coacht Frauen für den Aufstieg in Spitzenpositionen. Nach der eigenen Blitzkarriere zur jüngsten Bereichsleiterin in einer der größten deutschen Unternehmensberatungen und 17 Jahren Führungserfahrung gibt sie ihr Wissen auch als Keynote-Speakerin weiter. Ihr aktuelles Buch heißt: Lust auf Macht.

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