Oft ganz schön alt: Tagungen in unserer neuen Businesswelt

BirneIch bin ja als Speaker regelmäßig auf Conventions unterwegs, das ist meine Berufung. Und was erlebe ich meist immer noch dort? Von hoher Bühne herab gibt‘s reine Frontalbeschallung. Die TeilnehmerInnen sitzen brav in Reih und Glied und harren mal mehr, mal weniger erwartungsfroh der Dinge, die da kommen:

• Smarte Herren in Anzug und enger Weste (= Panzer)
• stehen hinter Rednerpulten (= Schutzschild)
• und lesen ihre Reden von Manuskripten ab (= Verkündung).
• Mit Laserpointern (=Waffe) beschießen sie Präsentationen,
• die ab der dritten Reihe keiner mehr lesen kann (= egal!).
• Sie reden über Schlachten und glorreiche Siege (= wir Helden).
• und die mitgebrachte Sekretärin (= Dienstbote) klickt dazu
• über 100 vollgestopfte Slides mit Zahlen, Daten und Fakten.

Insgesamt bleibt vieles an der Oberfläche und hinterlässt unberührte Zuhörer, die in der Passivität verharren. Und am nächsten Tag ist alles wie immer.

Wie Kongress 3.0 funktioniert

Kongress 3.0? Da stehen lockere Typen – männlich und weiblich – und erzählen darüber, was wirklich in ihren Unternehmen Sache ist, was die Highlights und wo die Knackpunkte sind. Rednerpult und Manuskript brauchen sie nicht. Und noch während der Redner wertvolle Erkenntnisse teilt, haben die Zuhörer via Mobilgerät die interessantesten Aussagen bereits online gecheckt.

So können sie mitdiskutieren und sinnvolle Fragen stellen. An einer Twitterwand kann man live nachverfolgen, was der Saal von all dem dann hält. Sofortiges Feedback ist garantiert – und der Moderator kann bei Bedarf ajustieren. Mithilfe von Live-Voting-Geräten werden Mehrheitsmeinungen abgefragt und bisweilen sogar unmittelbare Entscheidungen herbeigeführt.

Ein ‚Livestream-Video‘ sendet alles an die Daheimgebliebenen. Und im Unternehmensblog wird zeitnah das Ganze bereichert. So lassen sich neue Ideen gemeinsam entwickeln und vorantreiben. Die Lust am Umsetzen-wollen ergibt sich dann auch fast wie von selbst. Bei den althergebrachten Verkündungsprogammen hingegen bleibt alles ganz steif und im Müssen.

Wie Sie die ‚Weisheit der Vielen‘ nutzen

Ich selbst schlage, um die Touchpoints eines Unternehmens zu optimieren, heute fast nur noch Großgruppen-Veranstaltungen mit 50 bis 100 Teilnehmern vor. Die so lange gelebte Praxis, gemeinsam mit Unternehmensberatern im ‚stillen Kämmerlein‘ Konzepte auszuhecken, um sie dann nach unten durchzudrücken, führt nicht nur zu Unlust, sondern oft auch zum Flop.

Das ‚Wollen‘ der Mitarbeiter erreicht man immer dann am besten, wenn sie freiwillig sagen, sie könnten sich vorstellen, etwas in Zukunft so und so zu machen. Die geplanten Maßnahmen werden dann auch engagiert umgesetzt, denn sie wurden in Eigenregie entwickelt – und nicht von Oben vorgegeben. Am Ende entsteht dann der ‚Mein-Baby-Effekt‘. Und sein Baby lässt man nicht im Stich.

Wie so ein Großgruppenevent abläuft, das habe ich übrigens hier einmal ausführlich beschrieben.

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1 comment to Oft ganz schön alt: Tagungen in unserer neuen Businesswelt

  • Liebe Frau Schüller,

    da ist mir sofort eine Begebenheit eingefallen. Bei einem meiner Arbeitskreise erzählte einer unserer Mitglieder eine Begebenheit von seiner letzten Jahrestagung vom Verein XYZ (es war ein Unternehmens-Verein): Abends war eine Tanzveranstaltung geplant, die dann doch abgesagt wurde. Er war sehr enttäuscht darüber und hat das auch kundgetan. Woraufhin einer der Teilnehmer sagte: Mit wem wolltest Du denn tanzen, sind doch nur ältere Herren hier? Wir haben sehr darüber gelacht.

    Herzliche Grüße
    Martina Baehr

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