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Für Sie gelesen: Der Halo-Effekt

Ständig schiebe ich einen Stapel noch zu lesender Bücher vor mir her. Jetzt habe ich mal wieder eins rausgefischt: Der Halo-Effekt – von Phil Rosenzweig. Das hätte ich mir auch sparen können.

Das Buch wurde ja in 2008 so richtig gehyped. Worum es darin geht: Steigen Umsatz und Gewinn eines Unternehmens, ist die Versuchung groß, dahinter eine brillante Strategie, eine visionäre Führungspersönlichkeit, besonders fähige Mitarbeiter oder eine außergewöhnliche Unternehmenskultur zu vermuten. Lässt die Performance nach, stehen schon bald die verfehlte Strategie, der arrogante Führungsstil, die unengagierten Mitarbeiter oder die uninspirierte Unternehmenskultur am Pranger. Dabei hat sich kaum was verändert – mit Ausnahme der Brille, durch die ein Sachverhalt betrachtet wird. Das nennt mal den Halo-Effekt.

Der gesunde Menschenverstand weiß sowas schon ewig: Ist man gut drauf, ist alles rosarot, und die Welt ist schön. Hat man einen rabenschwarzen Tag, sieht man nur grau in grau, und nichts will gelingen. Der, der einem sympathisch ist, dem schreibt man viele gute Eigenschaften zu. Und der, der einem suspekt vorkommt, dem sagt man eher Böses nach.

Wahrnehmung ist immer subjektiv, also auch in der Wirtschaft. Bei einem beliebten Produkt sieht man nur die guten Seiten, dreht sich der Wind, lässt man kein gutes Haar mehr daran. Heute top und morgen hopp. So geht’s den Managern – und so geht’s den Unternehmen auch.

Würde Lieschen Müller drüber schreiben, krähte kein Hahn danach, tut es ein würdiger Professor, dann gibt es ein Riesen-tamtam. Auch das ist ein Halo-Effekt. Und – siehe Bestsellerlisten und Abverkauf – wir fallen gerne drauf rein.

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