Für Sie gelesen: „Schwarmdumm“ von Gunter Dueck

schwarmdummDass sich im Management vieles ändern muss, ist nahezu jedem wohl klar. Unternehmen können in Zukunft nur noch dann überleben, wenn sie die Intelligenz und die volle Schaffenskraft von Toptalenten für sich gewinnen. Denn der Markt ist gnadenlos. Und die Kunden kennen kein Pardon.

Deshalb sind Innovationen zunächst drinnen, im firmeninternen Zusammenspiel, dringendst vonnöten. Überholte Managementmoden und antiquierte Führungsmethoden müssen schnell über Bord. Die digitale Transformation, neue Arbeitsmodelle und die zuströmenden Digital Natives lassen den Unternehmen keine andere Wahl.

Genau in diese Wunde legt der Autor den Finger. In seiner unnachahmlichen Sprache, sehr detailliert und mit einer Fülle von Beispiel aus dem Firmenalltag führt Gunter Dueck seinen Lesern vor, warum die Unternehmen schwarmdumm sind und wohl auch schwarmdumm bleiben, wenn sich nichts Grundlegendes ändert.

Die fortschreitende Arbeitsverdichtung, Dauerbefehle von Oben, ständige Schulddiskussionen, Bereichsegoismen, die Sintflut festgezurrter Regelwerke, der Wachstumswahn als Utopiesyndrom, willkürlich gesetzte Zielvorgaben, Kontrollitis, Budgetstarre und Kennzahlenmanie sind nur einige Schlagworte von vielen. Fazit: Es ist das derzeit praktizierte Managementsystem, das ansich (zumeist) intelligente Menschen schwarmdumm werden lässt.

„Wenn Überlastete nur noch das Dringendste tun können, arbeiten sie absolut vordringlich an den Entschuldigungen für die Folgen ihrer Überlastung – die verlangt der Chef, und alles von Oben ist immer am dringendsten.“ Dies hat – neben schlechtem Betriebsklima und Burnout-Gefahr – vor allem Lug und Systembetrug zur Folge. Manipulationen sind an der Tagesordnung und ein Absicherungswettrüsten beginnt. Die Mitarbeiter arbeiten nicht mehr im Wollen, sondern für die Kontrollen.

Der Überstress lässt schließlich das Gute im Menschen zerbröseln, die Arbeit fühlt sich an wie ein Dauerkampf, Prozesse und Menschen verblöden, Innovationen sind in diesem Szenario gar nicht mehr möglich. Das Schlimmste aber: Der Kunde bleibt bei all dem auf der Strecke, sich mit sich selbst beschäftigen steht auf dem Programm.

Dabei muss auch noch ständig überall gespart werden, doch das Management verpulvert einen Großteil aller Ressourcen mit dem Managen seiner selbst. „Man setzt sich zusammen und bastelt an einem Plan, der für den Chef gut aussieht.“ Und „der dumme Schwarm akzeptiert ohnmächtig den Weitermarsch ins Verhängnis,“ schreibt der Ex-IBM-Cheftechnologe.

Okay, wenn nicht so, wie aber dann? Leider bleibt Dueck – so, wie viele andere Autoren, die die aktuellen Zustände in den großen Unternehmen geißeln – die Antwort auf diese Frage im Wesentlichen schuldig. Der Manager aber, der keinen lohnenden Ausweg kennt, macht weiter wie immer. Und wer an dem Ast sägen soll, auf dem er sitzt, kommt sicher nicht in die Gänge.

Leser, die an dieser Stelle nach ganz konkret gangbaren Wegen in die Zukunft suchen, kann ich mein Buch „Das Touchpoint Unternehmen“ wärmstens empfehlen.

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