Freund oder Feind? Was ich von den Wildhütern in Uganda lernte

Etwas ruhig war es hier im Blog in den letzten 14 Tagen, denn ich habe mir Uganda angeschaut. Und dabei habe ich etwas Interessantes während eines Naturpark-Treckings gelernt: Um sich vor einer Attacke wilder Tiere zu schützen, gilt es, den für die jeweilige Spezies notwendigen Abstand einzuhalten. Und im Fall der Fälle reicht es fast immer schon aus, sich ein paar Meter zurückzuziehen.

Wir waren zu Fuß unterwegs und nicht mal 10 Meter von wild lebenden Berggorillas, Nashörnern und Schimpansen entfernt. Respekt drückt sich also auch in der Form aus, dass man Dritten den Platz einräumt, den diese benötigen, um sich wohlzufühlen. Wer sich wohl fühlt, fühlt sich auch sicher und braucht sich von daher nicht durch einen Angriff zu schützen oder verängstigt davonzulaufen. Diese Erkenntnis lässt sich eins zu eins auch auf die Arbeitswelt übertragen.

Territoriale Arbeitswelt

Meist wird ja leider der Spielraum der Mitarbeiter ganz gezielt eingeengt: zum Beispiel durch beengte Arbeitsplatzverhältnisse – oder durch restriktive Vorgaben, Standards und Normen. Klar, ein paar kluge Spielregeln sind angebracht, um das Miteinander aller Beteiligten zu sichern. Passende Leitlinien sind sinnvoll, um den Weg, den ein Unternehmen gehen will, vorzuzeigen. Und adäquate Standards sichern Qualität, um nicht nach unten in die Todeszone abzugleiten. Aber man kann das alles auch mächtig übertreiben.

Reichlich oft dienen die ganzen Do’s und Dont’s ja vor allem einen Ziel: Macht und Kontrolle auszuüben oder Status zu sichern. Und schlimmer noch: Während sie selbst auf Distanz bedacht sind, rücken Führungskräfte ihren ‚Untergebenen’ oft genug zu sehr zu Leibe, halten also die uns Menschen so wichtige Sicherheitszone nicht ein. Sie treten unverhältnismäßig nah an Dritte heran – und dringen damit bewusst oder auch unbewusst in deren Territorium ein. Oder sie legen die Hand auf die Schulter von Leuten, drücken sie also symbolisch nach unten. Oder sie nehmen ungefragt etwas vom Schreibtisch ihrer Mitarbeiter weg.

3 Distanzzonen

Menschen haben drei zu respektierende Distanzzonen: die 4-Meter-Fluchtpunkt-Zone, die ‚öffentliche‘ 1-Meter-Zone und die ‚intime‘ 50-Zentimeter-Zone. Wir reagieren mit Aggression, Starre oder Rückzug auf jeden, der die als angemessen erachtete Distanzzone nicht einhält. Das bedeutet: Geht man aufeinander zu, nimmt man spätestens beim 4-Meter-Punkt gezielt Blickkontakt auf, damit das Unterbewusste des Gegenübers rechtzeitig entscheiden kann: Freund oder Feind.

Ansonsten bewegt man sich immer außerhalb der 1-Meter-Zone. Nur, wenn unumgänglich, bitten Sie, begleitet von einem freundlichen Lächeln, einem Kopfnicken und einer passenden Frage, den Gesprächspartner, in die sonst nur engen Freunden und Familienangehörigen vorbehaltene 50-Zentimeter-Zone eindringen zu dürfen. Leicht seitlich stehend wird dies übrigens viel besser akzeptiert als bei einem ‚Frontalangriff‘.

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