Frauenquote – ja oder nein?

Nun möchte ich mich doch noch zuschalten in diese Diskussion, die derzeit ja vor allem politisch geführt wird. Zunächst: Ich bin ganz klar für ein Nein. Frauen gehören an die Hebel der Macht, aber dieses Thema lässt sich nicht mit Quote regeln. Denn das Dilemma liegt tiefer: Nämlich in der unterschiedlichen männliche und weiblichen Hirnarchitektur.

Männliche Hirne

Männerhirne strukturieren hierarchisch(er) und wollen sich deshalb auch messen („Wer hat den längsten … Balken im Powerpoint Erfolgsdiagramm.“) Und: Man misst sich eben nur mit seinesgleichen. Schon kleine Jungs lernen im Kindergarten: Mit Mädchen prügelt man sich nicht. Das Resultat manifestiert sich wenig später in den Führungsetagen, den ‚Spielplätzen der Macht‘. Und auch in den Medien und auf Kongressen, wie wir noch sehen werden.

Zunächst: Gemeinschaften brauchen Ordnungssysteme, Machtstrukturen und Hierarchien. Die Klärung der Rangordnung – egal ob männlich oder weiblich – ist daher notwendig und genießt eine hohe Priorität. Für ein typisches Alphamann-Hirn zum Beispiel ist – wenn auch subliminal – eine Frau einfach Beta. Geringerer Lohn bei gleicher Arbeit ist nur ein sichtbares Zeichen dafür. Häusliche Gewalt, die jede vierte Frau erleiden muss, ist ein weiteres.

Wenn sich zwei Menschen treffen, dann werden sie – und das passiert völlig unbewusst – zunächst ihren Status taxieren: Ist der andere mächtiger, attraktiver, einflussreicher, intelligenter und wohlhabender als ich – oder kleiner, dümmer und ärmer? Ist er in der Lage, mir die Frau/den Mann wegzunehmen? Wie hoch ist sein gesellschaftliches Ansehen? Bedroht er mein Territorium – oder meinen Arbeitsplatz?

Die Waffe Testosteron

Deshalb finden in jeder Führungsriege zwangsläufig Machtkämpfe statt. Das Thema hat bunte Facetten und kennt traurige Geschichten. So bekommt das beliebte Männer-Spiel ‚mein Auto, mein Haus, mein Boot’ in den Zentren der Macht eine ganz neue Dimensionen und heißt: mein Lear-Jet, meine dritte Fusion, mein veröffentlichtes Jahresgehalt. Dabei wird nicht selten Kapital in Milliardenhöhe vernichtet – und ungeniert vor den Augen der verdutzten Öffentlichkeit mit Millionen-Abfindungen belohnt.

Gerade die Chefetagen der Top-Player sind oft nichts anderes als Abenteuer-Spielplätze, auf denen hoch bezahlte Jungs mit den Bauklötzchen der Macht spielen (dürfen). Abgesehen von hinderlichen Intrigen und peinlichem Testosteron-Schaulaufen führt dies auch dazu, dass einer bereit ist zu verlieren, nur damit der andere nicht gewinnt.

Maßloses Geltungsbedürfnis, nervenaufreibendes Statusgerangel und ‚politisches‘ Positionen-Geschacher haben eher selten das Allgemeinwohl zum Ziel. Testosteron kann ein wunderbarer Antreiber sein und es bringt uns gut voran, doch in den falschen Männerhirnen ist es ein Teufelszeug. Der pathologische Zustand heißt übrigens: Krieg.

Ein Opfer von vielen

Gerade die Multis, Konzerne und Dax-Unternehmen, in denen es große Territorien und viel öffentliches Ansehen zu verteidigen gilt, sind von solchen Phänomen betroffen. Denn Testosteron schaukelt hoch. Und in ein solches Szenario sollen jetzt zwangsweise Frauen vorrücken? Frauen, die hirnstrukturell viel eher auf ‚erhalten statt notfalls zerstören‘ und auf ‚Konsens statt Konfrontation‘ programmiert sind?

Mit Quote funktioniert das nicht! Und erste ‚Opfer‘ gibt es auch schon. Ausgerechnet die Deutsche Telekom, die mit viel Tamtam die Quote einführte, ist ihre ranghöchste Managerin wieder los: Anastassia Lauterbach. „Viele Telekom-Männer jubeln“ schrieb der Spiegel dazu. Das mag schon sein, doch sie haben auch sicher gelitten. Denn wir Frauen kennen die männlichen Spielregeln nicht, und das macht das Spielen mühsam. Vor allem aber: Wer Spielregeln nicht beherrscht, der fliegt.

Die Spielregeln der Macht

Die Spielregeln jeder menschlichen Gemeinschaft werden von der Mehrheit bestimmt. Und bei uns sind weit über 90 Prozent der Top-Leader Männer. Das innerbetrieblich geregelte Zusammenspiel ist daher von männlicher Art. Und auf ‚männliche‘ Weise werden strategische Entscheidungen getroffen. Geübt wurde dies schon in Sandkastentagen und später dann in Initiationsritualen – unter Ausschluss der Frauenwelt.

Wie Frauen in einem solchen Umfeld ‚ihren Mann stehen‘ sollen? Wenn man das männliche Hirnzentrum fragt? Josef Ackermann hat in seiner wunderbar ehrlichen Schweizer Art kürzlich etwas ganz interessantes gesagt. Er äußerte nämlich die Hoffnung, dass auch die Führung der Deutschen Bank bald weiblicher werde „und dass das dann auch farbiger sein wird – und schöner.“ Da hat sein Unterbewusstes mal wieder sein Denkhirn überlistet. Das tut es übrigens bei Jedem. Genau deshalb können wir uns die Frauenquote auch nicht herdenken.

Frauenpower

Ohne Zweifel: Nur wenn Männer und Frauen ihr Bestes in die wirtschaftliche Entwicklung einbringen können, ist diese Welt zu retten. Mehr Frauen in Top-Positionen können und müssen den Unternehmen helfen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Das evolutionäre Trainingsprogramm hat ihre Intuition besser entwickelt, das Leben in der Gemeinschaft hat ihre soziale Kompetenz, ihre Kooperationsfähigkeit und ihre Kommunikationstalente geschult, dem beschleunigten Wandel begegnen sie mit höherer Flexibilität, der Zugang zu ihren Gefühlen ist nie verloren gegangen. Solches Können ist zunehmend gefragt. Und es muss Raum dafür geben.

Was sich ändern muss

Es sind die Frauen, die die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts revolutionieren werden. Doch dafür müssen die ‚Spielregeln der Macht‘ sich ändern. Frauen wollen und werden die geltenden Spielregeln nicht mitspielen – jedenfalls nicht um um den Preis von 70-Stundenwochen, Burnout, Mobbing und Minderlohn. Und sie können es auch nicht. Denn das ist Fakt: Ihre Hirnarchitektur ist anders gebaut.

Ein Ausweg für Frauen ist die Selbstständigkeit, dort können sie sich passende Spielregeln machen. Und so verlassen gerade die besten Frauen die Teppichetagen in Scharen und machen im Kleinen ihr Glück. Ob sich die Konzerne einen solchen Aderlass auf Dauer leisten können?

Konkreter Vorschlag in vier Punkten

Genug geredet, jetzt müssen Taten folgen. Meine Vorschläge zum Thema:

  • Die Spielregeln der Machtund die dem entsprechenden Strukturen müssen sich ändern (siehe oben.)
  • Viel mehr Frauen müssen sich viel lauter zu Wort melden. (Nota bene: Das ist schwer genug für Frauenhirne, denn darauf sind sie nicht programmiert. Das Zweifelzentrum – so sagen die Hirnforscher – klingt bei Frauen viel länger nach. Deshalb plagen uns Selbstzweifel und Zögern so sehr.)
  • Viel mehr Frauen müssen in die Medienberichterstattung. Man nehme ein handelsübliches Wirtschafts- oder Marketingmagazin (wie WiWo, ManagerMagazin, Capital, Absatzwirtschaft) und zähle mal nach: Zu weit mehr als 90 % wird dort über Männer berichtet, sie werden zitiert und erhalten Raum zur Selbstdarstellung. Als Experten werden sie gleich zu Gurus und Päpsten hochstilisiert – bei Frauen macht man das nicht. Mann misst sich eben mit Mann.
  • Viel mehr Frauen müssen auf Kongress-Bühnen. Man schaue sich nur mal Kongress- und Veranstaltungsprogramme (auf denen uns Zukunft verkauft wird) daraufhin an: Auf dem 18. Münchner Management Kolloquium: 60 vortragende Männer, 1 Frau (die übrigen Frauen sind Moderatoren, Grund siehe Ackermann?). Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Wer entscheidet wohl letztlich über solche Kongressprogramme: Mann.
  • Das Web 2.0 zeigt uns den Weg

    Gemeinsames Siegen ist wirkungsvoller als konfrontatives Be-siegen. Respektvolles Miteinander funktioniert besser als machtbesessenes Gegeneinander. Manager müssen zu Menschenverstehern und Unternehmen zu Beziehungsarchitekten werden. Von einer kooperativen Atmosphäre profitieren alle Beteiligten, von einer aggressiven hingegen nur wenige. Wir brauchen Freunde und nicht Feinde in einer sich zunehmend vernetzenden Welt.

    So werden die Werte, für die das Web 2.0 heute steht, nämlich

    • Dialog und Interaktion
    • Teilen und Partizipation
    • Transparenz und Wahrhaftigkeit
    • Kreativität und Schnelligkeit
    • Beiträge leisten und helfen wollen

    unseren Lebens-, Kauf- und Arbeitsstil zunehmend prägen – und damit auch Einzug in das betriebliche Miteinander halten. All das ist nicht mit Quote, sondern nur mit Einsicht zu schaffen.

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