Für Sie gelesen: Trojanisches Marketing

List und Tücke wie vor Troja suchen wohl die Leser, die sich in diesem Buch Antworten erhoffen. Nur (gottseidank): List-und Tücke-Marketing, bei dem es letztlich um Täuschung und Hinterhalt, um Lug und Trug und damit um Gewinner und Verlierer geht, ist ein Auslaufmodell.

Gleich zu Beginn nimmt das Buch eine Anleihe bei Jung von Matt: „Gute Ideen sind wie Trojanische Pferde. Sie kommen attraktiv verpackt daher, so dass der Mensch sie gerne hineinlässt. Erst dann entlarven sie ihr wahres Ziel: Eroberung!“so heißt es auf deren Webseite. Liebe Werber, ich schätze eure Arbeit wirklich sehr. Aber dieser alte Männertraum von Eroberung und Unterwerfung funktioniert nicht mehr. Besser entfernt ihr das Trojanische Pferd und lasst das Kriegsgeschrei. Feldzüge und Waffenspektakel sind aus dem letzten Jahrhundert. Kein Mensch will mehr Krieg, alles sehnt sich nach Frieden. Nur kranke Hirne träumen heute noch von der Weltherrschaft. Der Kollateralschaden könnte übrigens ‚Erde‘ heißen.

Nach Jung von Matt stellt uns das Buch Uschi vor. Uschi ist eine Verkleinerungsform von Frau Dr. Ulrike Manhart, wie wir später hören. Interessanterweise erleben wir die beiden Autoren (Romi und Wolfi?) niemals ‚verkleinert‘. Uschi geht, wie wir alle paar Seiten hören, ständig einkaufen. Abgesehen davon, das dies ein eindimensionales und peinlich flaches Frauenbild repräsentiert, wird Uschi alle paar Schritte ungefragt von Werbung angesprungen, die, wie die Autoren sagen, trojanisch daherkommt. Im Internet heißt sowas übrigens Spam.

Nach Uschi kommt ganz viel, das als Guerilla-Marketing schon lange gang und gäbe ist. Es werden Beispiele und Tipps präsentiert, die richtig gut sind und kein bisschen trojanisch wirken. Währenddessen wird sicher zwanzigmal darauf verwiesen, dass man sich für Mehr auf einer eigens eingerichteten Webseite registrieren soll (trojanisch?). Da hätte man sich ein bisschen Zurückhaltung oder vom Haufe-Lektorat Einspruch gewünscht.

Schließlich wird auch noch das Empfehlungsmarketing unter das trojanische Dach gestellt. Die Überschrift heißt: Der eigene Kunde als Trojanisches Pferd. Da muss ich nun wirklich energisch protestieren. Echte Empfehler empfehlen freiwillig, vertrauensvoll, glaubwürdig und uneigennützig – also ohne Hinterhalt – und nur dann, wenn ein Unternehmen die Empfehlung auch wirklich verdient. Gerade deswegen glauben Konsumenten doch heute viel eher den Botschaften ihres Umfeldes oder den Web-Kommentaren unbekannter Dritter als den oft trügerischen Hochglanzbroschüren der Anbieter am Markt.

Mein Fazit: Die Autoren haben es gar nicht trojanisch gemeint, ihnen ist nur ein inadäquater Titel untergekommen.
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Hier geht’s zur Bestellung des Buchs.

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