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Arbeitgeber-Bewertungsportale (Teil 2): Noten für die Firma

Eine repräsentative Umfrage des Bitkom, des Verbands der ITK-Branche, unter 778 Internetnutzern hat ergeben, dass sich jeder vierte User im Netz mithilfe von Bewertungsportalen über potenzielle Arbeitgeber informiert. Insgesamt siebzig Prozent von denen, die die Absicht hatten, den Job zu wechseln, haben sich durch solche Bewertungen in ihrer Entscheidung beeinflussen lassen. Und vierzig Prozent gaben an, sich aufgrund der Bewertungen gegen einen Jobwechsel entschieden zu haben.

Doch kann man den Meinungen dort trauen? „Aktuell entsprechen rund 90 Prozent der einlangenden Bewertungen unseren Richtlinien. Bei den übrigen bitten wir die User, ihre Erfahrungsberichte an unsere Richtlinien anzupassen. Ein Großteil kommt dieser Aufforderung nach“, schreibt mir Tamara Frast, Social Media Managerin bei Kununu.

Zudem darf man nicht vergessen, dass gefälschte Bewertungen nur von kurzem Erfolg gekrönt sein werden. Sollte nämlich ein vermeintlicher Top-Arbeitgeber nicht das halten können, was veröffentlicht wird, werden enttäuschte Mitarbeiter das schnell ans Tageslicht bringen. Außerdem sind geübte Leser nicht dumm. Die Intention eines Bewerters und seine Seriosität schimmern schnell durch.

Die Nummer eins: Kununu, das „unbeschriebene Blatt“

Für viele Firmen sind Arbeitgeber-Bewertungsportale ein rotes Tuch, für manche ein schwarzes Loch und für einen kleinen Teil bereits ein Recruiting-Tool par excellence. Die Nummer eins, und seit dem Zusammenschluss mit Xing weiter gestärkt, ist die Plattform Kununu. Daneben sind Jobvoting, Bizzwatch, MeinChef und MeinPraktikum von Relevanz.

Kununu ist ein Suaheli-Wort und bedeutet unbeschriebenes Blatt. Doch wer weiß: Vielleicht kann man da schon längere Zeiten Unangenehmes über Ihr Unternehmen lesen, ohne dass Sie es wissen. Und womöglich wurden so schon qualifizierte Bewerber vertrieben, noch bevor die sich bei Ihnen gemeldet haben. Aber natürlich bietet Kununu auch Chancen. Nämlich dann, wenn Ihre Bewertungen über dem Durchschnitt liegen.

Bewerber, Auszubildende, aktuelle und ehemalige Mitarbeiter können dort nach festgelegten Regeln ihre Kommentare abgeben. Gegen Geld kann man sich dort auch via Arbeitgeberprofil präsentieren und Jobangebote einstellen. Die besten Companys erlangen Gütesiegel, die sich auf die eigene Website und die Facebook-Karriereseite einbinden lassen. So kann man sich als attraktiver Arbeitgeber platzieren.

Wie man von Bewertungsportalen profitieren kann

Das Wertvollste, das Bewertungsportale den Unternehmen zu bieten haben, ist das ungeschminkte Stimmungsbild der Mitarbeiter. Auch Verbesserungsbedarf, den intern vielleicht niemand ansprechen mag, kann über solche Plattformen identifiziert werden.

Nicht zuletzt sind positive Bewertungen genau die Werbung, die ein Unternehmen für neue Talente attraktiv macht. Und nicht vergessen: Kunden, Investoren, die Medien und sonstige Interessensgruppen lesen das auch. Unternehmen sollten deshalb die Meinungsbildung auf solchen Portalen genauso im Auge behalten wie ihre Umsatzzahlen und die Geschäftskorrespondenz.

Ferner sollte ein Stellungnahme-Account beantragt werden. Für positive Kommentare kann man dann danken. Auf negative Bewertungen sollte konstruktiv geantwortet und auf harsche Kritik überlegt reagiert werden. Jeder weiß: Ausschließlich begeisterte Mitarbeiter gibt es nirgends. Unbedachte Handlungen und die Keule Rechtsanwalt verschlimmern Zusammenstöße oft nur. Anstatt diejenigen zu jagen, die einen Missstand öffentlich machen, sollte man sich besser um den Missstand kümmern.

Wie Sie Mitarbeiter aktiv zu einer Bewertung einladen

Wenn Mitarbeiterloyalität, Motivation und Mitarbeiterengagement stimmen – und nur dann – macht es Sinn, die Belegschaft einzuladen, die Firma auf Kununu & Co. zu bewerten. Geben Sie eine plausible Begründung, warum das so wichtig ist, denn dies erhöht Ihre Chancen beträchtlich. Unser Hirn liebt Begründungen, damit es weiß, weshalb es überhaupt aktiv werden soll.

Schreiben Sie also zum Beispiel so: „Wir brauchen dringend noch weitere Talente, um unser bestehendes Hochleistungsteam zu komplettieren. Und weil die Besten sich im Web vorinformieren, können ein paar weitere anregende Bewertungen bei Kununu uns allen sehr helfen. Wenn Sie also mögen, dann … .“ Nun folgt eine Kurzbeschreibung, wie das funktioniert, damit das Ganze für jeden so einfach wie möglich ist.

Bieten Sie aber niemals Geld oder Goodies für gute Bewertungen an. Sowas gelangt meist sehr schnell an die Öffentlichkeit. Und dann ist Ärger vorprogrammiert. Positive Stimmen bei Kununu & Co hingegen sind für immer mehr Bewerber ausschlaggebend, damit es überhaupt zu einem ersten Annäherungsversuch kommt.

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